Standortdebatte
Kommentar: Es bewegt sich zu wenig

Es ist nicht schlecht, wie amerikanische Investoren über den Standort Deutschland urteilen. Dieses Land geht in die richtige Richtung, heißt es. Und: Deutschland hat – unbestritten – hoch qualifizierte Mitarbeiter und innovative Unternehmen und somit alle Chancen, auch künftig an der Weltspitze zu stehen. Positiv ist auch: Die Amerikaner sehen Deutschland auf einem Wachstumskurs und planen weitere Investitionen. Das ist die eine – die gute – Seite.

Die schlechte sieht so aus: Als Produktionsstandort verliert Deutschland nun auch bei amerikanischen Investoren gegenüber den osteuropäischen Niedriglohnländern rapide an Bedeutung. Diese Entwicklung wird sich nicht gänzlich verhindern lassen. Aber die Politik könnte etwas tun, um den Trend ein wenig aufzuhalten und ihn vor allem nicht auf andere Bereiche überschwappen zu lassen.

Die Studie, die die amerikanische Handelskammer heute vorgelegt hat, zeigt, dass vor allem die Industriegüterhersteller und die Softwareindustrie den Standort Deutschland gut bewerten. Dagegen hat sich das Bild in der Automobil-, der Gebrauchs- und der Pharmabranche deutlich verschlechtert. Im europäischen Vergleich zeigt sich die größte Schwäche des Standorts: Er ist nicht zu teuer, sondern vor allem zu starr, lautet die Hauptkritik nicht nur der Amerikaner. Auch die deutsche Wirtschaft ruft nach mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt und Transparenz in der Steuergesetzgebung. Den Reformprozess erkennen die Investoren an, aber: Es geht ihnen nicht schnell genug.

Berlin sollte deshalb genau zuhören und handeln, wenn Deutschland auch in Zukunft der Standort in Europa mit der größten Konzentration amerikanischer Investitionen bleiben soll.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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