Standortdebatte Modell D

Vor ein paar Jahren waren die Niederländer mit ihrem „Polder-Modell“ sehr erfolgreich und galten als Vorbild in Europa. Es beruhte im Wesentlichen auf einer Einigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, auf Arbeitskämpfe zu verzichten und gemeinsam die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.
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Damals sagten manche Niederländer den Deutschen: „Das Polder-Modell ist eigentlich eine deutsche Erfindung, nämlich die Soziale Marktwirtschaft. Ihr habt das bloß verlernt.“

Und heute? Nachdem wir ein paar Jahre lang gewohnt gewesen sind, uns selber schlecht zu reden, unsere Strukturen für verkrustet, die Gewerkschaften für rückwärts gewandt und die Politiker für unfähig zu halten, reiben wir uns verwundert die Augen: Deutschland ist wirtschaftlich wieder da. Noch überraschender ist aber die Erkenntnis: In Europa sind wir ein Modell für andere Länder. Und schuld daran ist der Euro, gegen den wir unsere heiß geliebte Mark eingetauscht haben.

Der jüngste deutsche Erfolg hat ganz ähnliche Grundlagen wie einst das Polder-Modell. Unternehmen haben Kosten gesenkt, Arbeitnehmer mussten Abstriche hinnehmen. Zu regelrechten Lohnsenkungen wie jetzt bei der Telekom kam es zwar nur selten. Aber es gab andere Formen, die realen Lohnkosten zu senken: Nullrunden, die Verlängerung der Arbeitszeit, zum Teil auch einfach eine enorm steigende Belastung der Beschäftigten. Der Unterschied zum Polder-Modell: Es fand hier niemals eine formelle Absprache mit den Zentralen der Gewerkschaften über ein „Modell“ statt. Sie haben vieles, die Gefahr des Arbeitsplatzabbaus im Blick, entweder bewusst mitgetragen oder nur machtlos protestiert. Der Erfolg: Deutschland hat seine Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu anderen Ländern enorm verbessert.

In anderen Ländern dagegen sind die Kosten stark gestiegen. Früher konnten Italien oder lange Zeit auch Frankreich mit einer Abwertung ihrer eigenen Währung gegensteuern. Dieser Weg ist nun verbaut. Das nährt hier und da die Skepsis, die Währungsunion könne in einigen Jahren auseinander brechen, wenn die Schere zwischen Deutschland und anderen Staaten noch weiter aufgeht. Dieser Gedanke taucht vor allem bei den Leuten auf – zum Beispiel manchen angelsächsischen Experten –, die von Anfang an misstrauisch gegenüber der europäischen Einheitswährung waren. Er wird genährt durch die Sehnsucht in der Bevölkerung einzelner Länder, etwa Italiens, nach den alten Zeiten.

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