Stellenabbau bei Allianz
Kommentar: Hart aber unvermeidlich

Hart aber unvermeidlich. Seit heute wird es noch mehr Menschen geben hier zu Lande, die ihre Welt nicht mehr verstehen. Die Allianz macht Rekordgewinne, die Allianz wächst weltweit. Nur in Deutschland ist alles anders, dem größten Umbauprogramm in der Geschichte des Versicherers fällt beinahe jede fünfte Stelle zum Opfer.

Gut 4,5 Milliarden Euro hat der Konzern im vergangenen Jahr verdient, in diesem Jahr sollen es noch deutlich mehr werden. Die Gewerkschafter hätten ihren Job verfehlt, würden sie auf dieses scheinbare Missverhältnis nicht verweisen. Tatsächlich aber sagt der Konzerngewinn nichts aus über den Zustand des Versicherers in Deutschland. Im Stammland verliert er seit Jahren Kundschaft und verschwendet Ressourcen mit einer historisch gewachsenen, aber überkommenen Firmenstruktur. Dass die Schnitte jetzt so hart ausfallen, hat daher auch damit zu tun, dass die Münchener vielleicht zu lange gezögert haben, zu handeln. Ähnlich sieht es bei der Dresdner Bank aus, sie verdient nach einer harten Schrumpfkur jetzt zwar endlich ihre Kapitalkosten, verglichen mit der Konkurrenz ist die Dresdner aber noch immer die Problemtochter der Allianz.

Immer wieder hat Michael Diekmann daher betont, es sei eine große Chance für den Konzern, sein Geschäft in einer Phase der Stärke auf neue Beine zu stellen. Das geschieht jetzt, mit Gerhard Rupprecht hat er auf Seiten der Allianz einen Mann gefunden, der das Programm konsequent aber auch fair umzusetzen gewillt ist.

Die Allianz, das war stets das Aushängeschild deutscher Assekuranz. Deshalb hat der Umbau auch symbolische Bedeutung. Längst ist die Allianz zum weltumspannenden Finanzdienstleister geworden, der jetzt in Deutschland nachholt, was international üblich ist. So mag es schön sein, auf eine große Geschichte zurückblicken zu können, Zukunft hat die Allianz jedoch nur als modern aufgestellter, kundenorientierter Dienstleister.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter
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