Steuern
Realitätsblind

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Das Konzept der Unternehmensteuerreform 2008 ist nachvollziehbar: Die Koalition will Deutschland als Investitionsstandort attraktiver machen und senkt dafür die Steuersätze. Gleichzeitig wollen Union und SPD es Konzernen erschweren, das dann zwar kleinere, aber doch noch vorhandene Steuergefälle innerhalb der EU auszunutzen: Es soll nicht mehr so einfach sein, Verluste in Deutschland steuerlich abzusetzen und Gewinne in Niedrigsteuerländer zu verlagern.

Bei der Umsetzung des zweiten Ziels allerdings übertreiben die Beamten in Steinbrücks Finanzministerium so maßlos, dass womöglich Ziel eins, der attraktivere Standort, nicht erreicht wird. Wer den Verordnungsentwurf zu den neuen Wegzug-Steuern für Firmen liest, hat nur einen Eindruck:Der deutsche Fiskus sieht jede internationale Expansion deutscher Unternehmen mit Misstrauen. Am liebsten hätten es die Finanzbeamten, dass die Firmen nur noch in Deutschland produzieren und fertige Produkte ins Ausland verkaufen. Das ist bestenfalls naiv und schlimmstenfalls national-chauvinistisch, auf jeden Fall aber realitätsblind.

„Was die Weltwirtschaft angeht, so ist sie verflochten“, schrieb Tucholsky vor 80 Jahren. Die Weltmarkterfolge deutscher Unternehmen hängen eng mit ihrer Internationalisierung zusammen. Märkte werden eben am besten nicht allein über Vertriebsgesellschaften erschlossen, sondern auch über Produktionsstätten. Gerade im Hochlohnland Deutschland dienen günstig im Weltverbund hergestellte Vorprodukte dem Erhalt von Arbeitsplätzen. Den globalen Erfolg der heimischen Wirtschaft sollte jede Bundesregierung unterstützen. Strafsteuern auf die Internationalisierung sind nicht nur unnütz, sondern gefährlich.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin

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