Stimmen aus der Wirtschaft
„Deutschland driftet in Zweitklassigkeit ab“

Die deutschen Wirtschaftsgrößen sind enttäuscht über das unklare Wahlergebnis. Sie befürchten, dass die Parteien sich mehr denn je in machtpolitische Grabenkämpfe verstricken und notwendige Reformen ausbleiben.

HB DÜSSELDORF. "Katastrophal" lautet Eckhard Spoerrs knappes aber eindeutiges Urteil über den Wahlausgang. Weil mit dem Ergebnis keine stabile Regierung möglich sei, so der Vorstandsvorsitzende der Freenet.de AG, könnten auch die dringend notwendigen Reformen in Deutschland nicht durchgesetzt werden. Die Konsequenz ist für ihn klar: "Ich rechne mit einem weiteren Abdriften Deutschlands in die Zweitklassigkeit."

Hermann Bühlbecker, Inhaber der Aachener Lambertz-Gruppe, schlägt in die gleiche Kerbe und prophezeit: "Der Ausgang der Wahl versetzt Deutschland in die denkbar schlechteste Lage. Das Fehlen klarer Mehrheiten könnte das Land weiter bremsen und damit gerade die dringend nötigen Reformen aufhalten." Sein Appell an die politische Führung lautet: "Die Koalitionsgespräche verantwortungsvoll aufnehmen und mit Hinblick auf das Wohl Deutschlands eine handlungsfähige und vor allem entscheidungswillige Regierung bilden." Denn, so führt der Fernsehchef von NBC Universal in Deutschland, Wolfram Winter, den Gedanken fort: "Das Schlimmste wäre, wenn künftig noch weitere politische Kompromisse geschlossen werden müssten. Ich fürchte ein Entscheidungsvakuum in unserem Land." Der Chef der Einzelhandelsgruppe Tengelmann, Karl-Erivan W. Haub, vermutet: "Die Menschen wollen offensichtlich der Wahrheit immer noch nicht ins Auge blicken. Aufgrund der zu erwartenden Kompromisse können die Probleme Deutschlands nicht behoben werden."

Angesichts dieser Probleme und der notwendigen Veränderungen zeigt der Vorstandsvorsitzende von EnBW, Utz Claassen, Verständnis für die Schwierigkeiten der Wähler, sich zu entscheiden: "Die Komplexität der entstandenen Konstellation reflektiert die Komplexität der vor uns liegenden Aufgaben. Nun kommt es darauf an, eine vernünftige Vertrauensbasis zu schaffen." Auch der Vorstandsvorsitzende der WGZ Bank, Werner Böhnke appelliert an die Politiker: "In den Koalitionsgesprächen müssen Machtdiskussionen zugunsten der Sachthemen hintan gestellt werden, und zwar ganz weit. Der Wähler hat ein Recht darauf."

Genauso wie der Rest der Republik sind auch die Wirtschaftslenker geteilter Meinung darüber, welche Koalition die beste wäre. "Ich setze auf eine große Koalition mit neuen Köpfen, die die gegenseitige Blockade überwindet", bezieht Rudolf Schulten, Vorstandsvorsitzender des Versorgers MVV Energie, Stellung. "Wir müssen endlich raus aus der Stagnation, raus aus den parteipolitischen Schützengräben und rein in Problemlösungen beim Bürokratieabbau, bei der Verringerung der Arbeitslosigkeit, bei der Steuervereinfachung und beim Abbau der Staatsverschuldung."

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