Stimmt es, dass...
Handelt die EZB gegen deutsche Interessen?

Die Börsen jubelten, nachdem bekannt wurde, dass die EZB unbegrenzt Anleihen von klammen EU-Staaten kaufen wird. Doch in Deutschland, vor allem in den Reihen der Bundesbank, wurde Kritik laut. Zu recht?
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Ja und Nein. Es kommt darauf an, welche deutschen Interessen man im Sinn hat. Der deutsche Aktienmarkt fand es am Donnerstag und Freitag gut, dass die Europäische Zentralbank (EZB) unbegrenzte Anleihekäufe von Krisenstaaten beschloss und außerdem ankündigte, dass sie künftig die Rückzahlungsversprechen der klammen Regierungen unbegrenzt als Sicherheiten für Kredite an deren Banken akzeptiert.

Und warum fand der Aktienmarkt das gut? Vor allem, weil es gut für die Banken und allgemein für die Finanzbranche ist. Die Kurse von Bankaktien stiegen mehr als doppelt so stark wie die der übrigen Werte. Deutsche Bank und Commerzbank legten ab der Pressekonferenz der EZB innerhalb von 24 Stunden um jeweils zehn Prozent zu.

In dieser Hinsicht gibt es keinen Interessenkonflikt zwischen Nordländern und Südländern, zwischen Paris und Frankfurt. In Italien legten auch Unicredit-Aktien und Intesa Sanpaolo um je rund zehn Prozent zu. In Frankreich gewannen BNP Paribas, Crédit Agricole und Société Générale zwischen neun und elf Prozent.

Nur die Institute Spaniens, um das es bei der Rettungsaktion eigentlich vor allem gehen soll, fielen dagegen etwas ab. BBVA legten um acht Prozent zu, Banco Santander nur um sechs Prozent.

Man sieht, es gibt eine ausgeprägte Interessenharmonie der Banken über nationale Grenzen hinweg, was die Ausweitung der Geldflutung durch die Europäische Zentralbank angeht. Das ist kein Wunder, ist die Hilfe doch für die Banken - anders als die Hilfe für die Staaten - völlig kostenlos und mit keiner Auflage verbunden. Allenfalls den spanischen Banken könnten ein paar Auflagen drohen, was ihre etwas schwächere Kursentwicklung erklären könnte.

Ansonsten bekommen die Banken fast zum Nulltarif unbegrenzt Kredit mit immer längeren Laufzeiten und gegen immer schlechtere Sicherheiten. Rechnet man die Inflationsrate ein, werden sie sogar dafür bezahlt, dass sie bei der EZB Kredit aufnehmen. Ihre notleidenden Anleihen aus dem Süden dürfen sie zu guten Preisen bei der EZB abladen.

Es gibt von der EZB nur fruchtlose Appelle, aber keinerlei Auflagen, dass sie die Gewinne daraus nicht an ihre Aktionäre und ihr Spitzenpersonal ausschütten sollen. Es gibt auch keine Auflagen, dass sie die Geldflut per Kredit an die produzierende Wirtschaft weiterleiten müssen. Es gibt überhaupt keine Auflagen. Alles funktioniert nach dem Prinzip: Wir müssen die Banken mästen, dann hilft das irgendwann auch der Wirtschaft.

Dass Haftungsrisiken zwischen den Staaten zulasten des Nordens umverteilt werden, ist die Nebenwirkung der Hilfen für die Banken. Die deutschen Steuerzahler haben, anders als die deutschen Banken und Aktionäre, einigen Grund zur Unzufriedenheit.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Stimmt es, dass...: Handelt die EZB gegen deutsche Interessen?"

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  • @Euroaustritt-Deutschland:
    Ich stimme Ihnen zu. Auch ich bin von der CDU enttäuscht, die kaum noch deutsche Interessen vertritt.

    Das darf aber keinsfalls dazu führen, dass man in der SPD, den Linken oder den Grünen Parteien sieht, die das besser machen würden. Denn ginge es nach denen, würde das Volksvermögen der Deutschen sofort zur Einebnung des europäischen Wohlstandsgefälles gespendet.

    Wobei zum Wohlstandsgefälle noch anzumerken ist, dass z.B. das Pro-Kopf-Vermögen zumindest der Italiener deutlich über dem der Deutschen liegt.

    Als einzige wählbare Alternative verkörpern die Freien Wähler die letzte Hoffnung für die Deutschen. Denn sie fahren - zumindest derzeit - eine wohltuend distanzierte Linie zum unreflektierten Europawahnkurs der etablierten Blockparteien. Die Freien Wähler sind schon eine lange Zeit fest in der Mitte der Gesellschaft verankert, überparteilich, pragmatisch, politik- und parlamentserfahren. Sie gilt es also im Auge zu behalten und - sofern sie ihren Kurs beibehalten - 2013 engagiert zu unterstützen.

    Und es gilt, sich frühzeitig auf die Attacken der etablierten Blockparteien einzustellen. Denn im für manche existenziellen Kampf um die Fleischtöpfe werden sie versuchen, all jene, die dem alternativlosen Europawahn kritisch gegenüberstehen, als geschichtsvergessene rechte Nationalisten, Egoisten und Rassisten zu diffamieren.

    Dann hätte der Wähler in Deutschland bei der Bundestagswahl 2013 zum ersten Mal eine realistische Chance zur Abrechnung und zur Abstrafung der etablierten Vaterlandsverräter!

    Ich bin übrigens Mitgied in keiner Partei und habe die Freien Wähler bislang noch nicht gewählt.

  • @Rechner:
    Ihren ständigen Beruhigungspillen-Kommentaren ist zu entnehmen, dass Sie entweder ein Auftragsschreiberling der alternativlosen Euro-Fetischisten oder aber ein nützlicher, weil gutgläubiger Idiot sind. Denn in all Ihren Repliken und Ihren klugscheißerischen Gegenfragen wollen Sie hier im Forum den Eindruck erwecken, als wäre im ESM-Vertrag alles korrekt und sicher geregelt.

    Auf dem Papier mag das ja durchaus sein. Sie sollten aber zur Kenntnis nehmen, dass viele der Leser dieser Seiten Leute sind, die ihr Hirn noch zu etwas anderem einsetzen, als zur Anwendung politisch korrekter Denkschablonen und zur Anussteuerung.

    Um Ihnen etwas auf die Sprünge zu helfen, erlaube ich mir deshalb den Hinweis, dass auch die Konvergenzregeln, die No-Bail-Out-Klausel sowie das Ankaufsverbot für Staatsanleihen juristisch wunderbar ausformulierte Vertragswerke/Vertragsbestandteile waren, die allerdings allesamt schon bei der ersten Nagelprobe in die Mülltonne der Verantwortlichen expediert worden sind.

    Hören sie also mit Ihrer einfältigen Nebelkerzen-Werferei auf, mit der Sie den ESM-Kritikern in diesem Forum weismachen wollen, dass beim ESM jetzt alles anders würde. Der ESM ist ein kriminelles Machwerk, in dessen Konsequenz alles durchgezogen wird, was den Interessen der Hochfinanz dient und alles ignoriert werden wird, was insbesondere die Interessen Deutschlands wahrt.

  • @Terrone
    Deutschland kommt aus der Nummer nicht mehr heraus.

    Wir bluten jetzt schon jeden Tag an der Tankstelle, weil unser Geld nichts mehr taugt.

    Eine Tankfüllung 120 Euro, zwei neue Winterreifen von Goodyear ebenfalls ca. 120 Euro. Das Verhältnis stimmt nicht mehr.

    Oktober 2008, 87 Euro eine Tankfüllung.

    KM-Pauschale unverändert bei 0,30 Euro.

    Macht nichts, unsere Bevölkerung hat offensichtlich noch zu viel Geld im Beutel.

    Handelt die EZB gegen deutsche Interessen? Ja, weil unsere Politiker vom Volk keinen Druck bekommen, eine Änderung herbeizuführen.

    So wurden wir bisher an der Nase herumgeführt:

    (Wurde zur Euroeinführung verteilt)

    Muss Deutschland für die Schulden anderer Länder aufkommen? –

    Die CDU 1999:

    Fit für Europa „Stark für die Zukunft“ C D U !!!!

    Was kostet uns der EURO?
    b)Muß Deutschland für die „Schulden anderer Länder“ aufkommen?
    Ein ganz klares Nein!

    Der Maastichter Vertrag verbietet ausdrücklich, dass die Europäische Union oder die anderen EU-Partner für die Schulden eines Mitgliedstaates haften.

    Mit den Stabilitätskriterien des Vertrages und dem Stabilitätspakt wird von vornherein sichergestellt, dass die Nettoneuverschuldung auf unter 3% des Bruttoinlandsprodukts begrenzt wird.

    Die Euro-Teilnehmerstaaten werden daher auf Dauer ohne Probleme ihren Schuldendienst leisten können.

    „Eine Überschuldung eines Euro-Teilnehmerstaats kann von vornherein ausgeschlossen werden“.

    http://politropolis.wordpress.com/2012/08/11/muss-deutschland-fur-die-schulden-anderer-lander-aufkommen-die-cdu-1999-ein-ganz-klares-nein/

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