Stimmt es, dass ...
Retten die Rettungsschirme nur die Banken?

Der dauerhafte Euro-Rettungsschirm ESM stellt riesige Milliardenbeträge bereit um die Euro-Krise abzumildern. Doch wem hilft der Rettungsschirm wirklich?
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Für den Präsidenten des Bayerischen Steuerzahlerbundes Rolf von Hohenhau, ist die Sache klar. In einem offenen Brief an den Bundespräsidenten, in dem er ihn auffordert, das Gesetz zur Einführung des Rettungsschirms ESM nicht zu unterzeichnen, wenn das Verfassungsgericht es passieren lassen sollte, wählt er deutliche Worte: "Und dabei wird nicht etwa Vermögen von deutschen Bürgern an griechische, spanische oder andere Bürger verteilt. Tatsächlich werden mit jeder Zahlung an Drittstaaten oder Banken die Kreditrisiken des weltweiten Großkapitals in Billionenhöhe sukzessive dauerhaft übertragen. Verluste aus privaten Risikogeschäften werden vergemeinschaftet, etwaige Gewinne verbleiben bei der Finanzoligarchie."

Stimmt das? Die Wortwahl ist ungewohnt klassenkämpferisch. Aber die Zahlen hat von Hohenhau auf seiner Seite.

So zeigt die Statistik der Bundesbank, dass die Finanzkrise ohne die vorangegangene massive Kreditvergabe der deutschen Finanzinstitute kaum möglich gewesen wäre. Von 2002 bis 2008 haben sie ihr finanzielles Engagement in den Krisenstaaten auf 600 Milliarden Euro fast verdoppelt. In den folgenden fünf Jahren zogen sie die Hälfte dieses Geldes, also 300 Milliarden Euro wieder ab. Einen solchen massiven Geldzufluss und -abfluss, vervielfacht von den Banken Frankreichs, Großbritanniens und anderer Länder, hält kein Staat ohne massive Finanzkrise aus.

Ohne Hilfskredite des Rettungsschirms EFSF und die Rettungsaktionen der Europäischen Zentralbank (EZB) hätten die deutschen und anderen Nord-Banken ihr leichtfertig investiertes Geld nicht abziehen können, ohne prohibitiv hohe Wertverluste verkraften zu müssen.

ESM

Deutscher Beitrag zum ESM

in Mrd. Euro


( mit der Maus über die Grafik fahren)


Dank der Rettungsaktionen sind Staatsanleihen und sonstige Schuldtitel aus Krisenländern, die vorher bei privaten Banken in Deutschland und andernorts lagen, in Massen in die Bilanzen der öffentlichen Hand gewandert. Oder sie wurden in die Bilanzen von ohnehin vom Staat zu rettende Südländer-Banken verschoben. Diese wurden mit speziellen Krediten von der EZB dazu animiert, den Nord-Banken die Anleihen ihrer eigenen Regierungen abzukaufen.

Die Alternative zu den Rettungsaktionen wäre eine Pleite der überschuldeten Länder und ihrer Banken gewesen, die unsere Banken in den Abgrund gerissen hätte. Der Wirtschaft und den Bürgern hätte das nicht gutgetan. Insoweit haben auch sie von den Rettungsaktionen profitiert, so wie die Geisel profitiert, wenn der Geiselnehmer sein Lösegeld bekommt. Weil Erfolg aber den Anreiz zur Geiselnahme erhöht und so mehr Menschen in Gefahr bringt, ist in vielen Ländern die Bezahlung von Lösegeld verpönt.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Stimmt es, dass ...: Retten die Rettungsschirme nur die Banken?"

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  • Nun, es gibt allerdings einen Zwischenweg, den man gern in den Medien außen vor lässt. Man könnte eben einen Teil der Schulden abschreiben. Die Banken profitierten schließlich von den hohen Zinsen, die sie für ihr Risiko verlangten.

    Eine generelle Risikoübernahme durch den europäischen Steuerzahler, macht es der Finanzoligarchie natürlich sehr einfach. Hier klafft Haftung und Profit massiv auseinander. Eine angemessene Beteiligung durch einen Forderungsverzicht wäre notwendig, damit die Banken in Zukunft auch wissen, dass sie NICHT grundsätzlich darauf vertrauen können, völlig risikofrei gestellt zu werden. Wird eine Verstaatlichung einer Bank notwendig, so sind die Alteigentümer zu enteignen und die bisherigen Verantwortungsträger freizulegen - OHNE dass sie noch einen Anspruch auf Geldleistungen haben, denn sie haben das Unternehmen insolvent gehen lassen. Saftige Nachschusspflichten für die Eigentümer wäre auch ein Weg. Viel Kapital wurde aus den Banken abgezogen mittels hoher Dividenden, damit man im schlimmsten Fall mit möglichst wenig Eigenkapital haften musste.

    Die ganzen Bankvorstände - wie im Fall der Commerzbank - beziehen nach wie vor Unsummen für ihr Versagen.

    Was mit der Umschreibung "private Gläubiger" oft missverstanden werden soll, ist dass es hier scheinbar um den kleinen Anleger geht. Richtigerweise beschreibt private Gläubiger vielmehr große Investoren, die genau wissen was sie tun, da sie ganze Abteilungen mit super-gut ausgebildeten Spezialisten beschäfigten, die die Risiken einschätzen.
    Solche Institutionen kann man zur Haftung heranziehen. Das ist Marktwirtschaft. Das andere Sozialismus. Was passiert ist, ist eine gewaltige Vermögensumverteilung hin zu den Reichen und zeitgleich wurden die ganzen Risiken und die Zahlungsausfälle der Reichen den kleinen Leuten aufgezwängt.






  • Das scheitern des Euros hätte katastrophale Auswirkungen auf die Wirtschaft und auf uns Bürger. Es gibt kein zurück mehr.
    Billonen müssten aufgewendet werden und der Dumme in der
    Kette ist wie wieder der kleine Bürger. Die Reichen starten immer
    gut durch, das war schon immer so.Sollten durch die Ankäufe
    von Staatsanleihen die Renditen fallen, so wäre dies eine massive
    Entlastung der Haushalte in den Südländern. Nicht die Menschen
    in Europa sind schuld, sondern deren Politiker. Wir Menschen
    dürfen nicht die Fehler begehen uns gegenseitig zu diffamieren.
    Was was ganz wichtig ist, ob an den Finanzmärkten oder in der
    Politik,ist das Vertrauen. Ganz einfach!
    MfG
    Walter Schmid

  • natürlich schützen die Schirme nur die Banken und verursacher, und ganz nebenbei wird die EZB die größte Bad-Bank der Welt. wieviele Bad-Banken haben wir schon? wieviele billionen Schrott ist somit schon beim Steuerzahler gelandet? dennoch wird getönt die krise geschafft zu haben? dennoch müssen Banken nun ein 3.-mal gerettet werden? ich denke, dass die Währungsreform glatt vor der Tür steht die alle überraschen wird und keiner dran Schuld ist. Wetten?

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