Stimmt es, dass...
Schützen Sachanlagen vor Inflation?

Sachwerte wie Aktien sollten mit der Inflation steigen. Allerdings ist die Rendite recht niedrig, wenn die Inflation hoch ist. Trotzdem ist es dann die beste Zeit, um in Sachwerte zu investieren.
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FrankfurtBetongold heißen Immobilien mit Spitznamen. Das spielt darauf an, dass der Preis einer Immobilie wie der des Goldes mit der Inflation steigen sollte. Mit der Inflation steigen ja auch die Mieten. Ähnlich, so die Hoffnung derer, die sich vor einer neuen Hyperinflation fürchten, ist es mit anderen Sachwerten, wie Aktien. Diese stellen einen Eigentumsanspruch auf ein Unternehmen dar, dessen Erträge mit der Inflation steigen sollten.

In der Praxis funktioniert das aber leider so nicht. Die Rendite von Investitionen in Aktien (Preissteigerungen herausgerechnet) ist in der Regel niedrig, wenn die Inflation hoch ist, und umgekehrt. Auch Immobilienpreise steigen in Zeiten fallender und niedriger Inflationsraten im Durchschnitt stärker als bei steigender Inflation.

Dafür gibt es eine Reihe von möglichen Begründungen. Eine davon besteht darin, dass es sich eher zu lohnen scheint, ein Haus zu kaufen, statt zu mieten, wenn die Inflation niedrig ist. Wenn etwa die Inflation ein Prozent beträgt und der zu zahlende Zins drei Prozent, dann muss man für einen kreditfinanzierten Kaufpreis von 200 000 Euro nur 6000 Euro Zinsen im Jahr zahlen. Wenn die Inflation acht Prozent beträgt und der Zins zehn Prozent, dann ist die reale Belastung die Gleiche. Aber, man muss 20 000 Euro im Jahr an Zinsen aufbringen.

Der höheren Belastung heute steht gegenüber, dass man in späteren Jahren auch nur den gleichen Schuldendienst leisten muss, der dann aber inflatorisch entwertet ist. Die Belastung ist also bei Inflation am Anfang höher, später niedriger. Das ist schwer zu durchschauen und verleitet deshalb bei hoher Inflation viele Menschen dazu, ein Eigenheim irrtümlich für zu teuer zu halten. Das drückt die Nachfrage. Außerdem bekommen selbst viele derjenigen, die richtig rechnen, und auch bei hoher Inflation kaufen würden, den Kredit von der Bank nicht, weil dieser die anfängliche Belastung zu hoch erscheint. Das dämpft die Nachfrage.

Ein anderer guter Grund für die schlechte Wertentwicklung bei steigender Inflation liegt darin, dass die Menschen damit rechnen, dass die Zentralbank einschreitet und die Zinsen hochzieht. Zinsen, die stärker steigen als die Inflationsrate, sind Gift für Vermögenswerte. Denn bei höherem Zins sind Erträge, die weit in der Zukunft anfallen, auf heute bezogen viel weniger wert.

Die Zeit, um in Sachwerte einzusteigen, ist dann, wenn die Inflation hoch ist, und man mit einem baldigen Rückgang rechnet. Das alles soll nicht heißen, dass derzeit von Immobilieninvestitionen abzuraten wäre, denn ein kräftiger Inflationsanstieg steht nicht wirklich am Horizont.


Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Stimmt es, dass...: Schützen Sachanlagen vor Inflation?"

Alle Kommentare

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  • Ich bin mit dem Artikel auch nicht einverstanden. Der stimmt hinten und vorn nicht.

    Ungeachtet der Tatsache, dass die Angabe der Zinsniveaus, also ein bestimmter Zinssatz über der Inflation falsch ist, geht es hier nicht um Zinsen, um Renditen, die zusätzlich wegbesteuert werden sondern um den schlichten Werterhalt des Vermögens. Das ist etwas völlig anderes.

  • Volle Zustimmung der Betrachtungsweisen. Sachwerte beurteile ich allerdings anders, nämlich übergeordnet: 1755, Essai sur la nature du commerce en géneral; steigt beispielsweise die Geldmenge in einer Phase, in der sich die Wirtschaft in Vollbeschäftigung befindet, so werden früher oder später die Preise steigen. Die geldmengenzunahme zeigt hier richtigerweise die Geldentwertung und damit die Umverteilung an. Steigt die Geldmenge jedoch in einer Phase geringer Wirtschaftsaktivität, so kann das Ausweiten der geldmenge auch ohne Preisanstieg ablaufen.. Allerdings erfolgt auch hier eine Umverteilung, wenngleich sie nicht unmittelbar ersichtlich ist. Die höhere Geldmenge verhindert, dass die Preise auf das Niveau absinken, das ohne Geldmengenvermehrung erreicht worden wäre. Es profitieren Produzenten, deren Güterpreise hoch bleiben, während die Käufer verlieren, weil die geldmengenausweitung verhindert, dass die Güterpreise sinken und so die Kaufkraft steigt.Man kann diese Erkenntnis differenziert auf Sachwerte übertragen, aber auch auf den Komiker Draghi.

    Zu "Stimmt es,dass" passt besser ein Berichtstil als dieses germanistische Gewürge.

  • Denkanstoß:
    Denkfehler?- Anmerkung über die Ansichten des Autors zum Thema Inflation und der Reaktion der "Menschen" (tatsächlich seine Bezeichnung).Bereits des Autors bemerkenswert schwache Sprachqualität lässt auch auf Mängel an der Substanz des Inhaltes schließen.
    Der Autor stützt seine Ausführungen/Thesen auf die "Erfahrungen der Vergangenheit" im Umgang von Inflation und der Politik der Zentralbanken auf diese.

    Allerdings haben wir es heute mit einem Paradigmenwechsel der Politik der Zentralbanken zu tun.

    Wie man bereits seit Jahren am Beispiel der US- Zentralbank,der Zentralbank Großbritanniens und nun seit Dezember auch der EZB erkennen kann stimmen diese Erfahrungswerte nicht mehr. Die Politik des " Quantitative Easing", also der erheblichen Ausweitung der Geldmenge hindert die Zentralbanken nicht den Leitzins unverändert auf historisch/ nominal absolut niedrigen ( 0.5-1.0%)Niveaus zu halten.
    Angesichts der Tatsache das die Inflationsrate die "sicher" erzielbaren Zinsen deutlich übersteigt werden Ersparnisse somit "abgetragen". Dieser Effekt beschreibt die "finanzielle Repression" der Staaten gegeüber dem " Geldsparer"- Nicht nur "Erspartes" auch Z.B.: Staatsschulden werden so abgebaut.
    Meiner Ansicht nach dürfte die Inflation( minderung des Geldwertes) auch mittelfristig zunehmen. Am Anstieg der Preise für z.B.:Lebensmittelrohstoffe,Energie usw. ist dies gut zu erkennen.Diese sind Frühindikatoren in deren Folge auch andere Elemente des "Produktwarenkorbs" als Konsequenz steigen werden.
    Fazit: Die Zinsen bleiben absehbar niedrig- die Inflation absehbar hoch- also dürfte man mit einer Investition in Sachwerte gut beraten sein.

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