Stoiber hoppelt aus dem Privatduelle mit Lafontaine
Vom Stier zum Hasen

Wie ein gereizter Stier hat Edmund Stoiber attackiert - doch kurz vor der Arena wird er plötzlich lammfromm: Er mag Oskar Lafontaine nicht mehr bei einem Duell auf die Hörner nehmen. Statt einer Livedebatte will Stoiber ein schriftliches Streitgespräch.

th HB DÜSSELDORF. Wie ein gereizter Stier hat Edmund Stoiber attackiert - doch kurz vor der Arena wird er plötzlich lammfromm: Er mag Oskar Lafontaine nicht mehr bei einem Duell auf die Hörner nehmen. Statt einer Livedebatte will Stoiber ein schriftliches Streitgespräch. Das ist wie Stierkampf mit Feldhasen und Gummidegen.

Wer den anderen frontal angeht, sollte nicht anschließend mit fadenscheinigen Begründungen zurückhoppeln: Dass der Mann für Stoiber, den Neben-Kanzlerkandidaten der Union, nicht satisfaktionsfähig ist und dieses Privatduell Lafontaines Truppe der Frustrierten ein tolles Forum bietet, muss dem CSU-Chef doch wohl vorher klar gewesen sein. Schließlich kommt er aus dem klugen Teil Deutschlands.

Schon die Forderung an Lafontaine war wahltaktisch ein absoluter Knaller. Dann aber auch noch vor dem Mann, der als Finanzminister aus der Verantwortung geflohen ist, wegzulaufen macht die Sache noch schlimmer. Ist es wirklich die späte Einsicht bei Stoiber, beugt er sich inständigen Bitten der CDU oder hat ihn ganz einfach nur die kalte Angst gepackt, dass der Populist Lafontaine ihn in die Tasche steckt?

Vielleicht plant Stoiber ja auch nach den Patzern der letzten Wochen einen intellektuell-wohltemperierten Wahlkampf auf Abstand: Duelle nur in Schriftform wären der Anfang. Anschließend könnte er sich in Talkrunden von Generalsekretär Markus Söder vertreten lassen. Zum Auftakt der heißen Endphase des Wahlkampfs würden perfekte Stoiber-Doubles mit einem Karaokemikrofon in der Hand auf der Bühne zu einer vorher aufgenommenen Rede agieren. Kurz vor der Wahl werden Stoiber-Statements dann nur noch in gedruckter Form und gegen Unterschrift ausgegeben.

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