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Stoiber muss rasch handeln

Der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber legt seit der Bundestagswahl ein erstaunliches Maß an politischer Instinktlosigkeit an den Tag. Erst brachte er weite Teile seiner eigenen Partei und der Union insgesamt mit der brachialen Nominierung von Horst Seehofer gegen sich auf. Nun lässt Stoiber einen offenen Machtkampf um seine Nachfolge als bayerischer Ministerpräsident zu. Die beiden Kandidaten Erwin Huber und Günther Beckstein sollen sich ruhig verhalten, bis die Regierungsbildung in Berlin endgültig unter Dach und Fach und Stoiber selbst als Wirtschaftsminister wohl versorgt ist.

Stoiber müsste es aus eigener Anschauung besser wissen: Er selbst widersetzte sich 1993 allen Bitten der damaligen Parteigranden und führte einen massiven Wahlkampf, um den seinerzeitigen Rivalen Theo Waigel zu schlagen. Beckstein macht es nun genau so und verbreitet, unter einem Ministerpräsidenten Huber nicht dienen zu wollen. Der Machtwille potenzieller Nachfolger lässt sich eben nicht vertagen. Lange öffentliche Schaukämpfe der beiden Duodez-Fürsten Beckstein und Huber um das Reich des scheidenden Königs Stoiber mögen dessen Eitelkeit schmeicheln. In Wahrheit belasten sie aber das austarierte Gefüge der CSU und erodieren damit schleichend auch Stoibers Machtbasis in Berlin.

Ein erfolgreicher Koalitionär Stoiber in Berlin braucht Ruhe an der Heimatfront in München. Er muss mit der CSU-Landtagsfraktion eine rasche Entscheidung suchen und so Herr des Verfahrens bleiben. Der Vorsitzende erweckt sonst den fatalen Eindruck, als halte er sich eine Fluchttür offen für den Fall, dass die große Koalition unter Angela Merkel nicht zu Stande kommt. Für das Gewicht, mit dem die Union in den Koalitionsverhandlungen der SPD entgegentreten will, bleibt es unerlässlich, dass der CSU-Vorsitzende mit ganzem Herzen hinter diesem Unterfangen steht. Die gewieften SPD-Unterhändler Müntefering und Schröder wären Manns genug, aus einem geschwächten CSU-Vorsitzenden Kapital zu schlagen. Stoiber ist zu schnellem Handeln geradezu verpflichtet.

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