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Stoibers Triumph

Wer geglaubt hatte, Edmund Stoiber bald los zu sein, der irrt gewaltig.

Das ist das Ergebnis dieses politischen Aschermittwochs, des denkwürdigsten seit langer Zeit. Stoiber ist die Nummer eins der CSU, und zwar nicht nur bis September, wenn er seine Ämter als Parteichef und Ministerpräsident abgeben wird. Ob er diese Ämter innehat oder nicht, scheint beinahe zweitrangig: Die Partei wird weiter auf sein Kommando hören. Und seine Nachfolger werden damit irgendwie zurechtkommen müssen. Stoibers politisches Ende sei unausweichlich gewesen, hatte es in den vergangenen Wochen oft geheißen. Das ist wahr und falsch zugleich. Wahr daran ist, dass die Sünde seines politisch schädlichen Rückzugs aus Berlin nach der Bundestagswahl 2005 ein Sühneopfer erfordert hatte. Ohne Buße konnte Stoiber nicht zu alter Kraft zurückfinden. Doch jetzt, da die Sühne geleistet ist, hat diese katholischste aller Parteien in Deutschland dem Bußfertigen verziehen. Politisches Ende? Keine Spur.

Was hilft ihm die wiedergewonnene Gunst seiner Partei, wenn er seine Ämter los ist? Natürlich ist jetzt nicht wieder alles wie zuvor. Der Apparat der Staatskanzlei wird dem Aktenfresser Stoiber fehlen. Er sitzt nicht mehr im Koalitionsausschuss und auch nicht mehr im Bundesrat. Aber er selbst hat immer betont, dass ihm das Wichtigste der Parteivorsitz ist. Und wenn – wie es aussieht – sein Erbe in diesem Amt Erwin Huber heißt, dann wird sich für Stoiber ein Titel finden, als Ehrenvorsitzender beispielsweise. Er wird diesen Titel zu nutzen wissen. Auf koalitionäre Empfindlichkeiten muss er noch weniger Rücksicht nehmen als bisher. Das wird das Regieren nicht bequemer machen. Für Angela Merkel nicht und für die Diadochen in der CSU auch nicht.

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