Strabag
Hemdsärmelig

Hier ein Korruptionsfall, dort ein Prozess mit ungewissem Ausgang. Auch wenn manche dieser Vorfälle von Konkurrenten bewusst hochgespielt werden, um der Strabag den Börsengang zu erschweren, so verfehlen sie doch ihre Wirkung nicht und dürften die Bewertung an der Börse nach unten drücken.

Für Investoren, die sich in der Baubranche auskennen, haben die Vorgänge wenig Neuigkeitswert. „Wer nichts extra zahlt, fliegt aus dem Markt“, lautet die Einsicht. Verbucht wird das oft über Beraterverträge. Dass solche Konstruktionen eine Gefahr fürs Unternehmen darstellen, kalkulieren Investoren mittlerweile ein.

Im Fall der Strabag kommt jedoch ein persönlicher Faktor hinzu: Der österreichische Baulöwe und Großaktionär Hans-Peter Haselsteiner ist nicht wirklich bekannt als ein Fan der Börse: Schon einmal hat er sich vom Parkett zurückgezogen, weil es sich mit wenigen Anteilseignern im Rücken bequemer leben lässt als mit vielen, die möglicherweise etwas zu sagen haben wollen. Inzwischen jedoch führt wegen des ungestümen Wachstums des Konzerns am neuerlichen Börsengang kein Weg vorbei. Die Strabag braucht ihn, um über genügend Kapital für ihre Expansion in Osteuropa zu verfügen. Bei allem Eigensinn, für den Haselsteiner bekannt ist, musste er sich dieser Überlegung beugen.

Jetzt muss er allerdings auch handeln. Das heißt: weniger Hemdsärmeligkeit und mehr Berechenbarkeit. Und vor allem: Transparenz und die Regeln der guten Unternehmensführung im Konzern umsetzen, bevor er an die Börse geht. Alles andere wäre eine Operation, die auf Dauer Aktionäre das Fürchten lehrt.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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