Strabag
Volles Risiko

Wenn ein Großinvestor knapp ein Drittel eines Konzerns erwirbt, teilt er üblicherweise mit, was er mit seiner Neuerwerbung vorhat. Das gilt für börsennotierte Unternehmen, und das sollte für Unternehmen gelten, die in absehbarer Zeit an die Börse wollen. Der russische Oligarch Oleg Deripaska hat das gestern unterlassen. Seinen Einstieg bei der Baufirma Strabag ließ er von den Österreichern verkünden. Und das war es dann auch schon.

Wer sich solch einen Investor an die Seite holt, hat entweder Mut, oder er ist ein Hasardeur. Strabag-Chef Hans-Peter Haselsteiner hat von beidem etwas. Sein Mut könnte belohnt werden, weil er nur mit Hilfe eines russischen Mitinhabers in dem zum künftigen Kernmarkt der Strabag erklärten Russland Fuß fassen kann. Als Patriarch mit einiger Osterfahrung sind ihm Berührungsängste in dieser Richtung fremd. Als Österreicher ist er nicht der Einzige, dem es gelingt, aus dieser Einstellung Kapital zu schlagen. Seine Risikobereitschaft könnte allerdings auch bestraft werden, weil ein russischer Oligarch von Putins Gnaden alles andere als ein sicherer Partner ist.

Dass der Mut überwiegt, ist Haselsteiner als Unternehmer hoch anzurechnen.Als künftiger Manager eines börsennotierten Unternehmens, das in der ersten Liga eine Rolle spielen will, läuft er jedoch Gefahr, dass sich die Risikoscheuen unter den Investoren abwenden. Haselsteiner wird es in den nächsten Wochen vor dem Börsengang jede Menge Überzeugungsarbeit kosten, die Vorteile des Deals in hellerem Licht erscheinen zu lassen als die Unsicherheiten, die damit auf der Strabag lasten. Dass er seinen neuen Partner aber zunächst nicht überreden konnte, mit ihm gemeinsam die Strategie der Strabag darzulegen, ist kein gutes Omen.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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