Strompreise
Nutzlose Kontrolle

Zum Fest versprechen die Wirtschaftsminister der Bundesländer den Bürgern (und Wählern), sie vor den raffgierigen Energiekonzernen zu schützen. Hessen prescht vor, blockiert komplett alle Anträge auf Preiserhöhungen. Andere versichern „sorgfältige Prüfung“, wollen die Anträge der regionalen Stromversorger auf keinen Fall „durchwinken“. Was auch sonst?

Mit sicherem Spürsinn besetzen die Minister ein Thema, das noch vor kurzem niemanden interessierte, das heute aber zu den großen politischen Aufregern zählt. Kein Wunder: Energie wird auf breiter Front teurer. Stromtarife sind eben die Brotpreise der postmodernen Industriegesellschaft.

Das Ergebnis dieses Kampfes wird ernüchternd sein, zumal es gar nicht um das nackte Überleben geht. Denn am Ende wird jeder Minister anders entscheiden, obwohl die Stromversorger vermutlich alle dieselben Gründe für ihre Preisanhebung liefern.

Das zeigt die ganze Absurdität. 16 Bundesländer und obendrein die Bundesnetzagentur wachen über Deutschlands Energiepreise. Die Länder müssen Tarife genehmigen, die Regulierungsbehörde alle Leitungsgebühren. Eine Strom- oder Gaspreisregulierung aus einem Guss sieht anders aus. Vor allem aber: Der Aufsichtswirrwarr mag politischer Profilierung dienen, der Entwicklung des jungen Marktes schadet er nur.

Preisaufschläge mit dem Hinweis auf „überzogene Forderungen“, so Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber, oder mit Blick auf „überhöhte Gewinne“, so sein hessischer Amtskollege Alois Rhiel, zu verweigern ist schlicht Unfug. In einer Marktwirtschaft können Anbieter fordern, was sie wollen. Sie können auch Gewinne einstreichen, so viel sie wollen. Die Frage ist: Machen die Kunden das mit?

Sie machen es mit. Sie müssen es teilweise sogar. Denn trotz der Liberalisierung des Energiemarktes vor sieben Jahren funktioniert der Wettbewerb nicht. Einer der Gründe dafür ist sicher die oligopolistische Struktur. Vier große Stromerzeuger – Eon, EnBW, RWE und Vattenfall – geben den Ton und damit die Preise an. Das nehmen deren Kritiker als Rechtfertigung für staatliche Eingriffe à la Huber oder Rhiel. Politisch ist das verständlich, sachlich aber falsch. Es fördert genau das Gegenteil einer Liberalisierung.

Solange die Bürger glauben, dass der Staat es schon richten werde, so lange wird der Bürger als Kunde auch keinen Anlass sehen, sich ökonomisch zu verhalten. Nicht ohne Grund hat bis heute nur eine verschwindend geringe Anzahl Strombezieher den Lieferanten gewechselt.

Doch die rasant steigenden Preise, die politisch verhindert werden sollen, aber letztendlich nicht verhindert werden können, haben ihr Gutes. Mit jedem Cent Preisaufschlag wächst die Sensibilität der Energieverbraucher und damit die Bereitschaft, ihren Stammversorger aufzugeben. Und mit jedem Cent steigt auch der Anreiz für Investoren, in den Strommarkt einzusteigen.

Denn auch auf der Anbieterseite muss es Wettbewerb geben. Erst wenn das Oligopol der Stromerzeuger gebrochen ist, kommt auch der Konkurrenzkampf um Kunden richtig in Schwung. Kein Investor riskiert aber sein Geld in einem Markt mit staatlicher Preiskontrolle.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%