Stromregulierung
Markt in Nöten

Matthias Kurth hat es in aller Deutlichkeit gesagt: Der Wettbewerb auf dem deutschen Strommarkt funktioniert noch nicht.

Nicht nur dem Präsidenten der Bundesnetzagentur missfällt es, dass die vier großen Stromanbieter RWE, Eon, EnBW und Vattenfall auf dem Rücken ihrer Kunden mehr als auskömmliche Geschäfte machen dürfen. Besonders laut sind die Klagen aus der Industrie – die Großabnehmer fühlen sich häufig genug über den Tisch gezogen.

Mit der Senkung der Durchleitungsgebühren hat Kurth immerhin einen Anfang geschafft. Seine Behörde sieht den Nachweis erbracht, dass die großen Konzerne viel höhere Kosten bei der Stromdurchleitung angegeben haben als tatsächlich nötig. Aber es ist leider nur ein Anfang. Viel mehr muss passieren, damit der Wettbewerb im Stromsektor funktioniert – und in der Folge dafür sorgt, dass sich die Preise stärker an den Kosten orientieren.

Kurth bietet sich etwa der Schulterschluss mit dem Bundeskartellamt an. Die zweite Bonner Wettbewerbsbehörde hat die Stromerzeuger ebenfalls im Visier. Noch steht der Vorwurf im Raum, die großen Energiekonzerne hätten den neuen Handel mit Emissionsrechten klammheimlich für Preiserhöhungen genutzt.

Eine andere wichtige Rolle spielen die Kartellbehörden der Länder, die die Erhöhungen der Strompreise letztlich genehmigen. Die Länder sollten ähnlich konsequent vorgehen wie die Netzagentur und den Stromerzeugern genauestens auf die Finger schauen. Auf jeden Fall darf die Preiskontrolle der Länder – wie bislang noch geplant – im nächsten Jahr nicht abgeschafft werden. Weil der Wettbewerb im Stromsektor eben noch nicht funktioniert, sind starke und einflussreiche Wettbewerbsbehörden beim Thema Energie unverzichtbar.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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