Studienanfänger
Alarmzeichen

Die Zahl der Studienanfänger ist erneut gesunken, das dritte Jahr in Folge. Und das nicht nur absolut, auch relativ: Auch der Anteil der Studienanfänger an ihrem jeweiligen Jahrgang geht zurück.

Dies ist ein Alarmzeichen. Denn Deutschland zählt heute schon weniger Akademiker als viele Konkurrenznationen. Dieser Standortnachteil wird seine volle negative Wirkung zwar erst in einigen Jahren entfalten, aber dann ist es zu spät.

Es liegt nahe, dass viele Abiturienten und deren Eltern auf Grund der neuen Gebühren vor einem Studium zurückschrecken. Es wäre daher fatal, wenn die Wissenschaftsminister, die mit guten Gründen Gebühren einführen, dies ignorieren würden. Abwarten, bis sich die Nation an die Gebühren gewöhnt hat, kann keine ernsthafte Alternative sein.

Wer will, dass mehr und nicht weniger Schulabgänger studieren, und sich nicht klammheimlich über das gesparte Geld für die Hochschulen freut, muss nun offensiv für das Studium werben. Wo Kreditangebote nicht ausreichen, müssen zusätzliche Anreize geschaffen werden. Künftige Studenten müssen reale Chancen erhalten, ihre Kosten für ein Studium durch Leistung merklich zu drücken, sei es durch Schuldenerlass, sei es durch Stipendien. Der Bund hat im Rahmen des Hochschulpaktes einen guten Teil der Finanzlast für die Hochschulen geschultert. Nun liegt es an den Ministerpräsidenten, ihre Wissenschaftsminister nicht im Regen stehen zu lassen.

Gefordert ist aber auch die Wirtschaft, die nun wieder über Akademikermangel klagt. Private Stipendien sind in Deutschland noch immer Mangelware. Wenn die Unternehmen und ihre Verbände hier nicht bald Farbe bekennen, dürfen sie sich nicht wundern, wenn ihre Klage nicht ernst genug genommen wird.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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