Subventionen
Der falsche Weg

Ein paar Jahre ist es schon her, da hat der damalige Intel-Chef Craig Barrett eine neue Chipfabrik in Irland eröffnet.

Brav bedankte sich der irische Ministerpräsident Bertie Ahern für die Milliardeninvestition und forderte den Manager auf, doch bald wieder auf der Insel zu bauen. Die Antwort des Managers aus Amerika fiel deutlich aus: Solange Steuern, Löhne und Lebenshaltungskosten in Irland niedriger seien als anderswo in Europa, komme der Halbleiterkonzern gerne, beschied Barrett dem verdutzten Politiker.

Die Szene ist typisch für die Chipbranche. Wo auch immer die Manager vorstellig werden, sie werden hofiert. Mal sind es niedrige Steuern und Abgaben, mal direkte Zuschüsse, ab und zu stellt der Staat auch gleich eine ganze Fabrik hin. Geholfen hat das der Industrie nicht, im Gegenteil. Die massive öffentliche Unterstützung verzerrt den Markt seit vielen Jahren. Die Halbleiterhersteller sind deshalb ein gutes Beispiel, warum die Politiker in diesen Tagen besser die Finger lassen sollten von üppigen Zuschüssen für notleidende Betriebe.

Gerade macht sich Sachsen daran, den hochdefizitären Halbleiterproduzenten Qimonda vor dem Untergang zu retten. Aus sächsischer Perspektive ist das durchaus vernünftig, denn in der Landeshauptstadt Dresden betreibt der Konzern ein großes Werk. Selbst aus deutscher Sicht lässt sich so ein Schritt begründen. Ginge Qimonda pleite, würde viel Know-how in der Mikroelektronik verlorengehen. Denn auch Zulieferer wären betroffen.

Allerdings verfolgen viele Nationen rund um den Globus solche Gedanken. Dies ist einer der Gründe, warum es viel zu viele Chipfabriken gibt, die für eine riesige Überkapazität sorgen. Die Folge sind tiefrote Zahlen zahlreicher Anbieter insbesondere auf dem Feld der Speicherchips, auf dem Qimonda tätig ist. In diesem Bereich haben staatliche Interventionen geradezu Tradition. Schon vor einigen Jahren haben staatsnahe Banken in Korea den Speicherchipanbieter Hynix in letzter Minute vor dem Aus gerettet. Hätten die Koreaner das Unternehmen pleitegehen lassen, würde es dem Rest der Branche heute vermutlich wesentlich bessergehen. Stattdessen hat Hynix massiv investiert, das Geschäft ausgebaut und mit öffentlicher Hilfe dazu beigetragen, dass eine ganze Industrie mit Verlusten kämpft.

Es hat seinen Grund, dass viele Nationen gerade der Chipindustrie unter die Arme greifen. Politiker sehen die Unternehmen als Grundstein für eine florierende Elektronikbranche. Das stimmt, denn ohne Halbleiter geht nichts, weder in Computern noch in Autos, Flugzeugen oder der Unterhaltungselektronik. Deshalb hat China in den vergangenen Jahren eine solche Industrie aufgebaut, und Indien bereitet gerade den Weg zum ersten eigenen Chipwerk. Die Araber, die seit langem ein Auge auf Chips geworfen haben, sind jüngst beim US-Hersteller AMD mit einigen Milliarden Dollar eingestiegen, um an das Know-how zu kommen.

Die weit verbreiteten Subventionen führen jedoch dazu, dass die Anbieter stets dort investieren, wo es gerade am meisten zu holen gibt. So baut AMD die nächste Fabrik nicht in Dresden, wo die beiden anderen Werke des Konzerns stehen, sondern in den USA. Weil der Transport der kleinen Bausteine wenig kostet, ist es im Grunde egal, wo die Produktionsstätten sind. Dies erhöht die Gefahr, dass Firmen trotz hoher Zuschüsse nach einigen Jahren wieder abziehen. Andererseits kann es sich kein Hersteller leisten, auf Zuschüsse zu verzichten. Dass dies für alle Firmen gilt, zeigt Intel. Das Unternehmen ist Weltmarktführer und verdient glänzend. Doch selbst der Branchenkrösus schaut auf jeden Cent, wie der Fall Irland beweist.

Die derzeitigen Verluste vieler Chipanbieter zeigen, dass der Förderwettlauf nutzlos war. Die dringend nötige Konsolidierung der Branche wurde durch die Zuschüsse verzögert, die Auslese verschleppt. Deshalb sollten die Regierungen sich jetzt mit staatlicher Unterstützung angeschlagener Firmen sehr zurückhalten. Zudem gibt es Alternativen. Intel zum Beispiel betreibt in Deutschland zwar keine Werke. Der US-Konzern hat aber Außenstellen aufgebaut, in denen hochspezialisierte Forscher arbeiten. Diese Filialen sind im Umfeld von Universitäten entstanden.

Deshalb ist es sinnvoll, statt in Beton und Maschinen in die Ausbildung zu investieren. Wenn der Staat Forschungseinrichtungen und Universitäten fördert und diese sich gut entwickeln, dann zieht das die Konzerne an. Neue Firmen entstehen, es werden Arbeitsplätze geschaffen. In diesem Fall gilt dasselbe wie bei den Subventionen: Die weltweit agierenden Unternehmen können es sich einfach nicht leisten, darauf zu verzichten. Den Steuerzahler kommt es aber wesentlich billiger.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%