Suchmaschinen
Kommentar: Der Google-Krieg

Nur einige dutzend Angestellte haben Zugang zu dem großen, hellen Flachbau in Mountain View, Kalifornien. Hier, im Google-Hauptquartier, trägt der Suchmaschinenbetreiber Bücher aus allen Winkeln und Ecken der USA zusammen. Sie werden gesichtet, sortiert, gescannt und in Ausschnitten ins Netz gestellt.

„Google Print“ ist spektakulär, aber nur eine von vielen Waffen, die der Internetdienstleister im Kampf um den lukrativen Markt für bezahlte Suchmaschinenanzeigen vorrätig hat. Fast täglich bringen Google, Yahoo und die Microsoft- Online-Tochter MSN neue Produkte und Dienste auf den Markt. Je attraktiver die Webseite, so das Kalkül, desto mehr Unternehmen folgen dem Ruf der Anbieter ins Netz.

Auch Barry Diller, Chef des weltgrößten Internetunternehmens IAC, hat sich auf das Schlachtfeld begeben: Er will die amerikanische Suchmaschine Ask Jeeves übernehmen und zu einer echten Konkurrenz der „großen drei“ ausbauen. Und Deutschland und Frankreich kooperieren bei der Entwicklung der „europäischen“ Suchmaschine Quaero. Doch das Ende dieses Kampfes ist absehbar. Das Wachstum bei den bezahlten Suchmaschinenanzeigen, den „Sponsored Links“, wird sich schon in zwei bis drei Jahren verlangsamen. Neue, interaktive Werbeformen werden an ihre Stelle treten. Die Dominanz der Suchmaschinenbetreiber auf dem Werbemarkt im Internet schwindet. Sie müssen sich schon heute darauf einstellen.

Bezahlte Suchmaschinenanzeigen boomen, weil sie ein Tor zum Online-Werbemarkt sind. Bevor es sie gab, haben viele Unternehmen das Netz als Werbeplattform gemieden. Es galt als unübersichtlich, und der Effekt von Online-Anzeigen war mangels Erfahrung kaum kalkulierbar. Suchmaschinenanzeigen setzen genau hier an. Denn Google, Yahoo und Ask Jeeves erhalten nur dann Geld, wenn ein Internetnutzer tatsächlich auf den bezahlten Link neben den „normalen“ Suchergebnissen klickt. Zudem erscheinen die Anzeigen nur dann, wenn der Nutzer über seine Suchanfrage im Internet Interesse an dem Thema gezeigt hat. Die Reaktion der Kunden ist also auch für Onlinewerbelaien genau nachvollziehbar.

Ein Klick auf eine Suchmaschinenanzeige kostet in Deutschland zwischen zwanzig Cent und zehn Euro. Werden die Plätze auf den Linklisten versteigert, kann diese Summe auf das Doppelte steigen, in den USA gar auf das Vierfache. Trotz der Transparenz ist das ziemlich teuer. Denn kaum ein Klick führt auch zum Kauf. Die Zahl der Seitenbesuche, die tatsächlich mit einem Kauf enden, die so genannte Konversionsrate, liegt im Online-Handel bei mageren 0,5 bis fünf Prozent. Bei Online-Tickets oder Flügen ist sie mit etwa zwei Prozent kaum höher. Steigen die Preise weiter und erhöhen sich die Konversionsraten nicht, werden die Unternehmen Abstand von den „Sponsored Links“ nehmen.

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