Südafrika
Kommentar: Zuma-Mannschaft unter Erfolgsdruck

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Der Afrikanische Nationalkongress (ANC) in Südafrika ist zu einer modernen Partei geworden. Wenn die Mitglieder sich von ihrer Führung im Stich gelassen fühlen, dann wählen sie sich eine neue Führung. Genau dies ist in dieser Woche geschehen. Thabo Mbeki musste feststellen, dass die alten Zeiten, da Führer glorifiziert wurden und als unantastbar galten, vorbei sind. Obwohl er eine weitere Amtszeit als Präsident des ANC haben wollte, wurde ihm das von einer überwältigenden Mehrheit des Parteitages verweigert.

Stattdessen wurde mit Jacob Zuma einer seiner ärgsten persönlichen Rivalen in das höchste Parteiamt gewählt. Und damit hat er gute Chancen, nach den Wahlen in eineinhalb Jahren auch Mbeki als Präsident Südafrikas zu ersetzen. Mbeki kann nun auch nicht, wie er es wollte, aus dem Hintergrund weiter die Fäden in der Regierung ziehen. Er ist nicht mehr erwünscht.

Wurden sonst im ANC die Nominierungen für die Führungspositionen im kleinen Kreis beschlossen und dann nur noch zur Abstimmung ohne Alternative vorgelegt, so kam es nun erstmals zu einer Kampfabstimmung. Es gab zwei Listen – je eine vom Mbeki- und eine vom Zuma-Lager. Und die Stimmenmehrheit bekamen dann durchweg die Zuma-Leute. Der ANC erlebte damit erstmals, was Südafrika als Staat schon seit 1994 hat: die Auswahl zwischen verschiedenen Kandidaten.

Es wird interessant werden, wie es weitergeht. Denn auf der einen Seite ist es nötig, das unter Mbeki erreichte gute Wirtschaftswachstum fortzusetzen, das sowohl auf Auslandsinvestitionen angewiesen ist als auch auf den eigenen privaten Sektor.

Auf der anderen Seite aber will auch die arme Mehrheit mehr davon haben, also kostenlose Schulbildung, bessere Wohnbedingungen und vor allem Jobs. Somit steht die Zuma-Mannschaft unter Erfolgsdruck. Es werde keinen wirtschaftlichen Kurswechsel geben, versicherte bereits Kgalema Motlanthe, der bisher Generalsekretär war und jetzt zum Vizepräsidenten des ANC gewählt wurde. Aber andererseits sind er und auch der neue Generalsekretär Gwede Mantashe, der zugleich Vorsitzender der Kommunistischen Partei ist, alte Gewerkschaftsführer. Also wird ein Linkskurs erwartet.

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