Syrien
Der Westen muss jetzt Taten folgen lassen

8000 vom Assad-Regime getötete Menschen sind genug. Die Nato muss zur Not auch mit Waffengewalt in Syrien einschreiten und eine Uno-Schutzzone einrichten. Wohlmeinende Worte ohne entsprechende Taten sind Phrasen.
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Syrien blutet – und die zivilisierte Welt schaut zu. Den Freiheitskämpfern in Libyen wurde geholfen. Warum nicht den syrischen? Wenn der neue Uno-Sondergesandte für Syrien, Kofi Annan, nach dem Treffen am heutigen Freitag mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil Elarabinach, als Unterhändler der zivilisierten Welt gen Damaskus reist, ist dies vielleicht die letzte Möglichkeit, den Despoten mit diplomatischen, gewaltfreien Mitteln zum Einlenken zu bewegen.

Auch ohne die Uno sowie Russland und China ist es, weil ein Gebot der Menschlichkeit, legitim, den Krieg Assads gegen sein eigenes Volk zu beenden – zur Not mit Waffengewalt. 8000 vom Assad-Regime getötete Menschen sind genug. Wortreich, doch tatenlos werden Russland und China schon beim ersten dünnen Anzeichen eines erneuten Waffengangs in einem arabischen Land protestieren, um bezüglich ihrer „Menschenrechtspolitik“ nicht weiter in die Defensive zu geraten. Russland fürchtet um seine syrische Marinebasis Tartus. Doch dafür wird es keinen Krieg riskieren.

Wird Iran eingreifen, um seinen Verbündeten Assad zu retten? Das wäre Selbstmord. Ein auf die syrische Front konzentrierter Iran böte seinen potenziell aufständischen Minderheiten (Kurden, Araber, Azeris, Belutschen) die goldene Gelegenheit zur Loslösung und Israel, die Nuklearanlagen Teherans zu bombardieren.

Wer soll was wie tun? Ja, auch wir – die Bundeswehr ist gefragt. Anders als in Afghanistan, wo sie damit beschäftigt ist, sich selbst zu schützen, könnte sie (natürlich nicht im Alleingang, sondern mit EU-, Nato- und arabischen Partnern) den Syrern gegen ihren Mörder-Präsidenten helfen. Indem sie – gemeinsam mit anderen demokratischen Staaten – zumindest Waffen und Berater schickt, könnte sie die ersten Schritte einer humanitären Intervention proben – ohne Krieg zu führen. Jene Hilfe wäre für die Bundesregierung eine Frage der Glaubwürdigkeit, denn humanitäre Interventionen, Kriegsbeendigung und Kriegsverhinderung zählen zu den künftigen Kernaufgaben der Bundeswehr.

Wie das funktionieren soll? Zur (Bürger-)Kriegsverhinderung ist es in Syrien zu spät, die anderen Voraussetzungen sind jedoch gegeben und geboten. Waffenlieferungen und das Einschleusen militärischer Berater lassen sich am besten aus und mit dem Nato-Mitglied Türkei von dortigen Nato-Basen arrangieren. Die Türkei strebt in die EU, deren Seinsgrund tatsächlich auch Menschenrechte und Frieden sind. Beides mahnt Ministerpräsident Erdogan gerne an. Er muss sich bewähren, um die EU-Kandidatur zu bewahren und Hilfe gegen die PKK-Kurden zu behalten.

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Schutzzonen würden helfen

Kommentare zu " Syrien: Der Westen muss jetzt Taten folgen lassen"

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  • Warum sollte sich der Westen da einmischen? Um die Menschenrechte zu verteidigen? Oder um den Fuß in die Tür einer strategisch wichtigen Region zu bekommen? Hier stellt sich auch die Frage, ob Krieg das geeignete Mittel zur Lösung der Syrienkrise ist. Können Wolffsohns Empfehlungen nicht auch als Aufruf zur Vorbereitung eines Angriffskrieges missverstanden werden?

  • @grazz Was gibt es da nicht zu verstehen? Wenn Sie die Seite 2 von Herrn Wolffsohn`s Artikel gelesen hätten, wären Sie über folgenden Satz gestolpert:

    " Wir hören zudem, dass die syrischen Aufständischen meistens die Größe Allahs preisen, nicht aber nach Demokratie rufen."

    Ich denke damit ist die Sachlage völlig klar. Die Aufständigen in Syrien denken nicht an Demokratie nach westlichem Vorbild. Meiner Meinung nach läuft das eher auf die Gründung eines weiteren islamistischen Staates hinaus. Das kann nicht im Interesse des Westens sein, oder? Die vertreten unsere Werte garantiert nicht!

    Es ist natürlich nicht in Ordnung das Assad Wohnviertel bombardieren lässt und Zivilisten dadurch sterben.
    Aber sagen sie mir einen Grund warum westliche Truppen das verhindern sollen? Denken Sie, die Armeen von Saudi Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten sind nicht dazu in der Lage Unterstüzung zu leisten? Ich denke die sind sehr wohl dazu in der Lage. Die Frage ist also: Wann greifen die Saudis ein? Warum haben die das nicht schon lange getan?

  • @Pro-D Israel hat niemals Völkermord begangen! Die verteidigen sich nur gegen arabische Staaten (Ägypten,Jordanien und Syrien) welche schon in den 1960er Jahren gedroht haben Israel mit einem Vernichtungskrieg zerstören zu wollen. Damals führte das zum 6-Tage-Krieg. Die sog. Palästinenser haben das Pech immer zwischen den Fronten zu stehen. Einige von denen schießen aber auch Raketen auf israelische Städte ab und führen Bombenanschläge auf Busse, Krankenwagen und Kindergärten aus. Das sollten Sie alles nicht vergessen bevor Sie auf Israel schimpfen!

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