Kommentare

_

Tablets: Nur Mut, Microsoft!

Wagt Microsoft den Billig-Tablet-Angriff? Hardware-Partner sind verstört und drohen mit dem Rückzug. Microsoft scheint in der Zwickmühle. Doch diesmal lohnt es sich, die Partner zu verprellen.

Microsoft macht ernst: Das eigene Tablet "Surface" soll nur 200 Dollar kosten, berichtete ein Insider dem US-Blog Endgadget. Das ist sowohl folgerichtig als auch riskant. Denn die Wahl des Preises des Tablets wird maßgeblich über Microsofts Schicksal im mobilen Markt entscheiden. Wenn Microsoft es nicht schafft, sich mit Windows 8 auf Tablets zu etablieren, verschläft der Konzern den Computermarkt der Zukunft.

Anzeige

Riskant ist der 200-Dollar-Preis, weil er die PC-Hersteller Dell, Samsung, Lenovo und Asus aufgeschreckt hat. Sie sind nicht daran interessiert, Windows 8 zu pushen. Sie wollen lediglich Hardware verkaufen. Und das ist im derzeit hart umkämpften Tablet-Markt mit Gewinn kaum möglich. Die Digitimes berichtet daher, dass sich alle vier großen Hersteller aus dem Markt für Tablets mit Windows RT geschlossen zurückziehen wollen, sollte Microsoft das "Surface" tatsächlich zu diesem Kampfpreis anbieten. Damit hätte Microsoft seine Partner verloren  - und der als Ausnahme gedachte Hardware-Bau würde zur Dauereinrichtung.

Sollte Microsoft also Rücksicht nehmen auf seine Partner und den Preis höher ansetzen? Nein. Denn derzeit sieht es düster aus für Microsoft: Der Software-Riese verdient zwar auf dem PC mit den beiden Cashcows Windows und Office immer noch kräftig Geld – doch auf dem Zukunftsmarkt Mobile Computing hat er bislang keinen Fuß auf den Boden bekommen. Selbst die Allianz mit der einstigen Handy-Größe Nokia hat an einem Fakt nichts Wesentliches geändert: Auf Smartphones und Tablets läuft kein Windows, sondern Apples iOS und Googles Android.

Microsoft Surface Die Fakten zum Microsoft-Tablet

Das Surface stellt eine Zäsur in der Geschichte von Microsoft dar. Statt nur die Software zu liefern, bietet Microsoft jetzt auch gleich das Gerät mit an. Das tat Microsoft bisher nur in Ausnahmefällen wie Eingabegeräten und der Spielekonsole Xbox. Doch was kann das Tablet? Die Fakten im Überblick.

Bild: Reuters

Genau das soll der Kampfpreis ändern. Die Subventionen für das Microsoft-Tablet wären eine Investition in die Zukunft: Kann sich Windows 8 heute durch das günstige Surface etablieren, wird Microsoft auch Entwickler für die Plattform begeistern. Langfristig wäre so das Feld auch für Microsofts Hardware-Partner von Dell bis Asus bereitet.

Auch Google überlässt den Tablet-Markt nicht mehr seinen erfolglosen Hardware-Partnern, sondern stärkt Android mit dem Tablet Nexus 7 für den Kampfpreis von 200 Dollar. Selbst Apple, sonst der Margen-König unter den Hardware-Herstellern, verzichtete beim iPad von Beginn an auf eine Traum-Marge wie bei iPhone und anderen Geräten des Apple-Konzerns.

Tablets

Alle haben verstanden: Hier geht es um die Zukunft. So wie in den Anfangszeiten des PCs, als sich Windows als das dominante Betriebssystem durchsetzte, wird gerade der mobile Markt aufgeteilt. Mittel im Kampf der Systeme sind dabei die Apps – denn sie machen die Hardware attraktiv. Schnell kommt es dabei zum sich selbst verstärkenden Effekt: Geräte mit vielen Nutzern sind für Anwendungsentwickler besonders interessant – was wiederum die Zahl der Apps erhöht.

Die Betriebssystem-Hersteller sind daher gut beraten, attraktive Hardware zu bauen, um ihr System zu etablieren. Immerhin hat auch erst Microsoft geschafft, was von Dell über HP bis Asus vorher niemandem gelungen ist: Das Surface ist schick, es kommt mit einer innovativen Hardware-Tastatur und ist daher mehr als ein weiterer bloßer iPad-Klon. Vielleicht ist Microsoft deshalb am Ende ohnehin der bessere Hardware-Bauer – und Dell, Samsung, Lenovo und Asus machen sich durch ihren Rückzug selbst überflüssig.

  • 17.08.2012, 17:17 UhrMW65719

    Ich will ein Surface-Tablet haben. Nicht die RT-Variante, sondern die Pro-Variante.
    Aber davon unabhängig, bin ich NICHT der Ansicht, dass Microsoft das Surface RT für einen Kampfpreis von $199 anbieten sollte.
    Zumindest nicht, wenn die Surface-Tablets wirklich so ausgeliefert werden, wie vorgestellt. Dann sind das Geräte, die von der Qualität her problemlos mit einem iPad mithalten können. Ein Kampfpreis von ca. $50 unter dem Preis eines iPad wäre sicherlich ein guter Preis, um in den Markt einzusteigen.
    Aber ein Preis von $199, wie von einigen US-Blogs kolportiert, läge deutlich unter den Herstellungskosten.
    Es gäbe sicherlich genug Käufer für so ein Tablet (ich würde vielleicht auch eins mitnehmen ...), aber was würde denn MS damit erreichen?
    Sie würden bei jedem verkauften Gerät Geld verlieren (könnten sie sich ein Weilchen leisten) und das Signal das MS damit senden würde ist doch: "Wir glauben nicht an die Qualität und Konkurrenzfähigkeit unserer Produkte". D.h. sie würden tatsächlich nur die Windows-OEM-Partner vergräzen, ihren eigenen Markt kaputtmachen und sich selbst von vorneherein als Marktverlierer und ihre Tablets als Ramsch darstellen.

    Ein Vergleich mit Google Nexus 7, Amazon Kindle, etc. ist auch nicht wirklich zielführend. Das sind im Vergleich zum Surface deutlich billiger herzustellende Geräte (kein Digitizer, halb so großer Bildschirm, weniger Arbeitsspeicher ...) und für die Anbieter sind sie nur Mittel zum Zweck - dem Verkauf von Content. Für Amazon ist der Kindle ein Verkaufskanal für eBooks. Google will vor allem mit dem Android Market und mit Werbung Geld verdienen. Beides ist nicht das Geschäftsmodell von MS und sollte es auch nicht sein. Klar nehmen sie auch bei ihrem AppMarket einen Cut von den Verkaufspreisen der Apps.
    >Teil 2

  • 17.08.2012, 17:19 UhrMW65719

    < Teil 1
    Ein Vergleich mit dem iPad passt (für RT) schon besser. Aber angeblich verdient Apple bei den iPads an der Hardware (zumindest in den USA) schon fast nichts (der Gewinn kommt aus dem AppMarket, iTunes und den Lizenz-Zahlungen der Zubehörhersteller für die proprietären Schnittstellen). Und die Herstellungskosten dürften vergleichbar sein, ggf. beim Surface sogar höher.
    MS hat es auch nicht nötig, Windows 8 auf diesem Weg in den Markt zu drücken (wo sie übrigens auch schon einen günstigen Preis für Upgrades anbieten). Sie verdienen auch an Lizenzen für Windows 7, neue PCs werden (an Konsumenten) sowieso nur noch mit Windows 8 verkauft werden.
    Und ganz ehrlich, wenn die Surface-Tablets (und vergleichbare Angebote anderer Hersteller) wirklich das können, was versprochen wird (inkl. Batterielebensdauer), dann wird sich Apple warm anziehen müssen. Dann wird das iPad endgültig zum Spielzeug / Mittel zum reinen Medienkonsum (was für viele Anwender auch reichen wird). Marktanteile von >80% wird es nicht mehr erreichen, Anwender mit höheren Ansprüche werde zu Windows-Tablets greifen.

  • 17.08.2012, 17:41 UhrHans

    Die Win8 Lizenzen solle sehr teuer sein, so dass eigentlich keine billig Tablets geben soll. Wenn Microsoft jetzt ein hoch Subventioniertes billig Tablet rausbringt ist das natürlich übel für seine Partner. Unterm Strich bezahlen diese ja mit den PC Verkäufen die MS Tablets. Google und Apple werden den Preiskampf mitgehen. Auch wenn es den dreien eine Menge Geld kosten wird. Der als erstes Aussteigen muss, ist der Verlierer.

  • Kommentare
Wallstreet Journal Deutschland: Am Rumpf der Titanic

Am Rumpf der Titanic

Wer das „Wallstreet Journal Deutschland“ besuchen möchte, wird umgeleitet. Morgen wird die Seite ganz abgeschaltet. Kein Grund an den Untergang einer Branche zu glauben, meint Oliver Stock.

Meinung: Das Erfolgsrezept der Rapper

Das Erfolgsrezept der Rapper

Songs von Verbrechen und Gewalt: Im Hip-Hop gehört das nicht nur zum guten Ton. Einige Rapper leben ihre Musik aus und landen deshalb immer wieder vor Gericht. Über den Erfolg einer ganz speziellen Musikrichtung.

  • Kolumnen
Was vom Tage bleibt: Deutsche Bank hui, Postbank pfui?

Deutsche Bank hui, Postbank pfui?

War es das? Sechs Jahre, nachdem die Deutsche Bank die Postbank erwarb, ist die Liebe zwischen Mutter und Tochter erkaltet. Die Griechen könnten den Euro abwählen. Und: Wer spendet für den HSV? Die Nachrichten vom Tag.

Der Werber-Rat: Einmal einen Social-Media-Hype bitte!

Einmal einen Social-Media-Hype bitte!

Was bleibt vom Werbejahr 2014? Große Kampagnen wie „Umparken im Kopf“ von Opel und „Supergeil“ von Edeka. Aber auch unerwartete Marketingerfolge wie die „Ice Bucket Challenge“. Ein kleiner Streifzug zum Ende des Jahres.

What's right?: Groko-Note: Knapp befriedigend (3-)

Groko-Note: Knapp befriedigend (3-)

Vor genau einem Jahr wurden die Kabinettsmitglieder der Großen Koalition im Bundestag vereidigt. Zeit für ein Zeugnis – mit mäßiger Gesamtnote. Nur die Kanzlerin triumphiert mal wieder.

  • Gastbeiträge
Eon: Neue Energie für's Image?

Neue Energie für's Image?

Verbraucher halten Eon für den besten der großen Energiekonzerne. Verkauft Eon nur noch Ökostrom, könnte das Image weiter steigen. Die Konkurrenz in diesem Umfeld ist jedoch stark. Ein Gastbeitrag.

Gastbeitrag zur Netzneutralität: „Frau Merkel, Sie spielen falsch!“

„Frau Merkel, Sie spielen falsch!“

Dass Merkel Spezialdienste bevorzugt durchs Netz leiten will, ist abwegig. Es gibt nur einen Grund, manche Datenpakete im Internet anders zu behandeln als andere: Wenn davon alle profitieren. Ein Gastbeitrag der Piraten.

Junckers Investitionsinitiative: „Mehr Mut zu Europa, Herr Gabriel!“

„Mehr Mut zu Europa, Herr Gabriel!“

EU-Kommissionschef Juncker liegt mit seiner „Investitionsoffensive für Europa“ goldrichtig. Dass Wirtschaftsminister Gabriel daran herummäkelt, ist nicht nachvollziehbar. Er sollte das Herumlavieren sein lassen.

  • Presseschau
Presseschau: Deutsche Bank: Abkehr vom Privatkunden?

Deutsche Bank: Abkehr vom Privatkunden?

Die Deutsche Bank steht offenbar vor einem Umbau. Die erst vor wenigen Jahren erworbene Postbank könnte verkauft werden. Für die Wirtschaftspresse kommt der Strategiewechsel nicht überraschend.