Taiwan
Analyse: Schmelzendes Eis

In einer Zeit, in der die Volksrepublik nicht gerade mit guten Nachrichten verwöhnt wird, kommt Peking die Entspannung an seiner Südflanke gerade recht.
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Taiwans neuer Präsident Ma Ying-jeou kennt seine Grenzen: jene, die China setzt, und jene, die ihm der politische Status der Inselrepublik setzt. So kommt für ihn weder die Unabhängigkeit noch eine Wiedervereinigung mit China infrage. Doch zwischen diesen politischen Polen gibt es eine Menge Spielraum. Und die will der neue Präsident aktiv nutzen. Unter seinem Vorgänger Chen Shui-bian hatten die Beziehungen zum Festland arg gelitten. Aus Verärgerung über den Unabhängigkeitskurs Chens hat Peking den politischen Dialog mit Taiwan 1999 abgebrochen, von dem sich besonders die Wirtschaft Taiwans viel erhofft hatte.

Zwar haben Taiwans Unternehmer in den letzten Jahren dennoch mehr als 150 Milliarden Dollar in die Volksrepublik gepumpt, aber sie wurden stets an der kurzen Leine der Regierung gehalten. Jetzt sollen die Hürden, die in den vergangenen acht Jahren errichtet worden sind, so schnell wie möglich fallen. Taiwan will nicht nur verstärkt in Chinas High-Tech-Industrie investieren, sondern auch Touristen sowie Kapital aus dem chinesischen Festland für den Ausbau der eigenen Infrastruktur anlocken.

In einer Zeit, in der die Volksrepublik nicht gerade mit guten Nachrichten verwöhnt wird, kommt Peking die Entspannung an seiner Südflanke gerade recht. Niemand darf allerdings erwarten, dass nun eine schleichende Integration Taiwans einsetzt. Dafür sind die Gesellschaftssysteme viel zu unterschiedlich. Taiwan wird weiter um seine internationale Anerkennung kämpfen – und dabei immer wieder Nackenschläge einstecken müssen. Aber im bilateralen Verhältnis findet nun eine Rückbesinnung auf einen pragmatischen, weniger spannungsreichen Umgang miteinander statt. Und das hilft nicht nur den wirtschaftlichen Ambitionen Pekings und Taipehs. Auch die politische Eiszeit nähert sich dem Ende. Und das dürfte nicht nur ganz Ostasien beruhigen.

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