TARIFRUNDE: Gefährdete Partnerschaft

TARIFRUNDE
Gefährdete Partnerschaft

Die Tarifrunde 2007 entwickelt sich zunehmend zu einem Risikofaktor für die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland.

Selbst in der Chemie-Industrie scheint nun eine offene Konfrontation zwischen den Tarifparteien möglich. Das gibt schon deshalb Anlass zur Sorge, weil die Branche nach dem Tarifkalender dieses Jahres eine Vorreiterfunktion für eine Reihe wichtiger Wirtschaftszweige hat: Für die Metallindustrie, die Bauwirtschaft, die Druckindustrie und den Einzelhandel stehen anschließend ebenfalls Tarifverhandlungen an.

Es kommt aber hinzu, dass in der chemischen Industrie eine besondere Tradition auf dem Spiel steht: Mit ihrer Sozialpartnerschaft haben Gewerkschaft und Arbeitgeber über Jahre ein Klima gepflegt, das wichtige tarifpolitische Innovationen erlaubte. Arbeitszeitkorridor, Einstiegstarife für Langzeitarbeitslose, variable Einmalzahlung – all das sind in der Branche längst feste Größen. Und oft genug fanden sie später Eingang auch in die Tarifverträge anderer Branchen. Solange es in der Politik keine Mehrheiten dafür gibt, den Flächentarif über gesetzliche Öffnungsklauseln flexibler zu machen, ist die Bedeutung der Chemie-Industrie als tarifpolitischer Innovationsmotor kaum zu überschätzen.

Die Realität ist jedoch: Die Politik zeigt sich nicht nur desinteressiert gegenüber den Problemen des Flächentarifs. Sie trägt auch noch aktiv dazu bei, mit immer neuen Lohnempfehlungen die Erwartungen der Beschäftigten anzuheizen, und belastet damit das Klima zwischen den Tarifparteien. Ganz unabhängig von der Frage, welche Zuwächse in diesem Jahr angemessen wären, kann eines als sicher gelten: Ein Streikjahr 2007 wäre ein gefährlicher Rückschlag für die Konjunktur.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
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