Tarifstreit im öffentlichen Dienst
Schlichtung als Kapitulation

Die Rufe nach einer Tarifschlichtung im öffentlichen Dienst werden lauter. Das ist zwar insofern verständlich, als die Tarifparteien auch in der sechsten Streikwoche noch nicht den Eindruck vermitteln, als ob sie aus eigener Kraft kurzfristig zu einer Einigung finden könnten. Eine überzeugende Perspektive liefert die Idee indes nicht.

Eine Schlichtung kann vorläufig für Scheinfrieden an der Streikfront sorgen – kaum aber für ein tarifpolitisch und ökonomisch tragfähiges Ergebnis. Denn auch ein Vermittler wird nichts daran ändern, dass ein vermeintlich goldener Mittelweg im Streit über die Anhebung der Arbeitszeiten von 38,5 auf 40 Stunden den Flächentarif sprengen wird.

Selbst wenn sich der Arbeitgeberverbund der Länder darauf einließe, wäre dies nur ein Zwischenschritt. Ein Zerfall der Tarifgemeinschaft und die Fortsetzung der Konflikte auf regionaler Ebene wären programmiert. Als Alternative bleibt die Kapitulation der Gewerkschaften. Dieses Ergebnis würde den Vorstellungen einer Schlichtung eine ganz neue Variante hinzufügen.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
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