Tarifstreit in Baden-Württemberg
Offene Machtprobe

Wer noch Zweifel hatte, sieht nach dem Scheitern der Tarifschlichtung in Baden-Württemberg klarer: Was als Streit um einige Minuten Mehrarbeit begann, ist nun endgültig eine offene Machtprobe zwischen Verdi und den öffentlichen Arbeitgebern. Nur so ist zu erklären, warum die Gewerkschaft einen bis ins kleinste Detail abgewogenen Schlichterspruch für die Südwestkommunen ablehnt.

Offenkundig steht dahinter ein Kalkül, das auf den parallel laufenden Tarifkonflikt um die Arbeitszeit der Länderbediensteten zielt: Wäre der Streik der kommualen Müllwerker erst beendet, hätte Verdi das letzte Unterpfand verloren, mit dem sich überhaupt Druck auf die Arbeitgeber der Länder ausüben lässt. Dass Streiks allein im Landesdienst dazu nicht taugen, hat Verdi seit 2004 bei wiederholten Aktionen erlebt.

Und doch ist nicht absehbar, wieso die Länder nun ans Nachgeben denken sollten. Eher wird nach den Landtagswahlen am Sonntag auch bei der SPD das Interesse an raschen, aber teuren Kompromissen erlahmen. Die Machtprobe geht weiter – doch rückt der Tag näher, an dem Verdi mehr als ein paar Minuten Arbeitszeit verliert.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
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