Techem
Mutiges Mikado

  • 0

Das Mikado beim Energiedienstleister Techem wird wieder spannend. Nachdem sich die australische Bank Macquarie und britische Hedge-Fonds monatelang gegenseitig belauerten, greifen die Australier nun mutig noch einmal an.

Was sie bieten, kann sich sehen lassen. 58 Euro je Aktie ist eine Bewertung, die noch vor einem Dreivierteljahr kaum jemand für möglich gehalten hätte, auch Techem-Chef Horst Enzelmüller nicht. Doch was auf den ersten Blick nach einem weiteren überteuerten Deal durch Finanzinvestoren aussieht, hat durchaus seine Logik.

Da ist zum einem die Besonderheit des Investors. Macquarie ist kein Private-Equity-Haus. Die australische Bank ist auf Infrastruktur-Industrien spezialisiert. Das bedeutet, sie ist in der Regel nicht nur weitaus länger engagiert als die Private-Equity-Firmen. Sie kann die Transaktionen auch zu deutlich günstigeren Konditionen finanzieren. Das mag einen solch hohen Preis rechtfertigen.

Viel wichtiger aber: Es ist mehr oder weniger die letzte Chance, aus dem Dilemma bei Techem herauszukommen. Die Pattsituation bindet jede Menge Kapazitäten, die dringend für das operative Geschäft benötigt werden. Dauerte die gegenseitige Blockade weitere Monate, würden die Investoren den Wert ihrer Beteiligung systematisch zerstören.

Gerade deshalb sollten die Hedge-Fonds die neue Offerte sehr intensiv studieren. Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass es kein noch höheres Angebot geben wird. Macquarie hat nur noch diesen einen Schuss. Und alle anderen Interessenten wissen, dass es sich nicht rechnen würde, noch mehr zu bezahlen.

Beim Mikado gilt: Wer unbedacht zugreift, hat verloren. Aber ohne Mut ist das Spiel auch nicht zu gewinnen. Für Macquarie dürfte der Mut sich auszahlen.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

Kommentare zu " Techem: Mutiges Mikado"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%