Telecom Italia
Kommentar: Testfall Italien

Telecom Italia (TI) steht zum Verkauf und die europäischen Konkurrenten stehen offenbar bereits Schlange. Gehandelt werden neben den Amerikanern AT&T und America Movil auch Deutsche Telekom, France Telecom und Telefónica. Die vielen Namen sind aber nicht deshalb in der Diskussion, weil die Italiener so ein Kronjuwel der Branche wären.

TI ist einfach eine Kaufgelegenheit in der überfälligen Konsolidierung der Branche. Unternehmen, die dabei zu Jägern anstatt den Gejagten gehören wollen, müssen sich die Sache zumindest überlegen. Die Bedingung für eine Konsolidierung der Telekombranche sind längst gegeben: Die Mobilfunkmärkte sind gesättigt und die Festnetzanbieter verlieren Umsatz und Marge. Das erhöht den Druck, die Kosten zu senken, was wiederum Zusammenschlüsse sinnvoll macht. Dadurch können die Unternehmen Synergien heben – etwa beim Einkauf oder dem Netz-Management.

In dieser Situation wird es in Europa auch zu Elefantenhochzeiten zwischen Ex-Monopolisten kommen müssen. Hier allerdings stoßen die Unternehmen auf nationalstaatliche Ressentiments, die den Prozess wider ökonomische Logik erschweren. Das ist vor allem deshalb gefährlich, weil sich in anderen Regionen riesige Telekomkonzern formieren, die den kleinen, nationalen europäischen Playern leicht das Wasser abgraben können. In den USA gab es vor fünf Jahren noch sieben Telekomkonzerne – heute sind es nach zahlreichen Megafusionen gerade einmal drei.

Der US-Gigant AT&T hat bereits Interesse an den Italienern angemeldet, um sich ein stärkeres Standbein in Europa zu schaffen. Bei den europäischen Wettbewerbern grassiert bereits seit Jahren die Angst, amerikanischen oder asiatische Riesen könnten hier auf Einkaufstour gehen. Wenn die europäischen Regierungen ihren Unternehmen nicht langsam mehr Spielraum lassen, wird sich diese Furcht bewahrheiten. Telecom Italia ist ein erster Testfall.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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