Telecom Italia
Mal Hü, mal hott

Konvergenz von Mobilfunk und Festnetz war bis vor kurzem noch das Zauberwort der Branche.

Ähnlich wie bei anderen Telefonanbietern sollte bei der Telecom Italia eine milliardenschwere Re-Integration der Mobilfunktochter, erst vor einem Jahr in Gang gesetzt, unglaubliche Synergien ermöglichen.

Jetzt ist davon auf einmal keine Rede mehr. Im Gegenteil: Die Mobilfunktochter TIM soll verkauft werden. Der italienische Telekom-Anbieter setzt auf eine neue Strategie: die Konvergenz von Fernsehen und Breitband. Das Unternehmen soll künftig nicht nur die Infrastruktur in Form eines schnellen Internets stellen, sondern auch die nötigen Fernsehinhalte liefern.

Erst in diesem Sommer hatte die TIM ihren Kunden die Fußballspiele der Weltmeisterschaft auf das Handy übertragen. Das klang mehr nach Konvergenz von Fernsehen und Mobilfunk. Aber das ist vorbei, noch ehe der Sommer zu Ende ist. Jetzt sollen Telekom-Kunden lieber über das Internet und nicht über ihr Handy fernsehen.

Der wahre Grund der neuen Strategie liegt aber wohl eher im extremen Geldmangel des Unternehmens. Telecom Italia ist mit mehr als 40 Milliarden Euro hoffnungslos überschuldet und zieht damit auch noch den Aktienkurs des Großaktionärs Pirelli in den Keller. Deshalb wird jetzt das Tafelsilber verkauft und das Ganze auch noch mit dem Mantel einer schönen, neuen Strategie verkleidet.

Vielleicht haben die Italiener aber auch einen neuen Trend in der Branche eingeleitet, und nach der Re-Integration des Mobilfunkgeschäfts steht jetzt wieder eine Abspaltung auf dem Programm. Dann wird es allerdings für die übrigen Telekom-Unternehmen in Europa schwer werden, genügend Käufer für ihre vielen Töchter zu finden.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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