Telefónica/Telecom Italia
Die Deutsche Telekom hat verloren

Der Einstieg der spanischen Telefónica bei Telecom Italia wird das Machtgefüge innerhalb der großen Telekoms in Europa verändern. Die einen werden immer größer, die anderen immer unwichtiger. Ein Verlierer der Entwicklung steht schon fest: die Deutsche Telekom.

Auch die Bonner hatten offenbar auf Telecom Italia ein Auge geworfen. Telecom Italia ist schließlich eine alte Liebe der Deutschen. Bereits der einstige Telekom-Chef Ron Sommer unternahm vor acht Jahren einen Versuch, die Italiener zu übernehmen. Doch das Ansinnen scheiterte kläglich am politischen Widerstand aus Rom.

Die Deutsche Telekom könnte angesichts des hart umkämpften Heimatmarktes dringend ein lukratives, mächtiges Auslandsengagement gebrauchen. Doch dafür hat Vorstandschef René Obermann derzeit den Rücken nicht frei. Der Konzernlenker ist viel zu sehr mit internen Problemen beschäftigt, als dass ihm ein Coup wie bei den Italienern gelingen könnte.

Mit dem Zukauf steigt Telefonica nicht nur zum größten Anteilseigner beim italienischen Branchenprimus auf, sondern nimmt quasi durch die Hintertür auch den deutschen Markt ins Visier. Denn nun können Italiener und Spanier eine Allianz bilden, um ihr Präsenz in Deutschland auszubauen. Telefonica gehört hierzulande der Mobilfunkanbieter O2 und Telecom Italia besitzt mit Hansenet die Nummer drei im hart umkämpften DSL Markt. Erst im vergangenen Jahr kauften die Italiener vom amerikanischen Medienkonzern Time Warner zudem AOL Deutschland.

Mutige Spanier

Trotz des Schuldenberges fehlt es den Spanier nicht an Mut, ihr Portfolio ständig zu optimieren. Erst kürzlich haben sie sich von ihrer britischen Tochter Airwave für fast 3 Mrd. Euro getrennt. Und der Verkauf der Fernsehproduktions-Konzerns Endemol geht für eine vergleichbare Summe in die Endrunde. Damit ist der Einstieg in Italien finanziert.

Mit seiner Angriffslust ist Telefonica-Chef Cesar Alierta bisher ganz gut gefahren. Der schweigsame Kettenraucher hat in den letzten Jahren ein beeindruckendes Imperium erworben. Das Eldorado der Spanier reicht mittlerweile über die USA und Lateinamerika bis nach China. Weltweit kommt der einst träge Madrider Staatskonzern auf mehr als 200 Mill Kunden.

Im Gegensatz zum Schweiger Alierta schätzt Obermann die offene Auseinandersetzung und fährt damit schlecht. Derzeit verrennt sich der Telekom-Chef in einem öffentlich ausgetragenen Machtkampf mit den Gewerkschaft Verdi. Ein Streik rückt täglich näher. Die Folgen für das Geschäft wären verheerend. Doch auch ohne wird die neue spanisch-italienische Allianz der Deutschen Telekom schwer zusetzen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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