Telekom-Chef im Interview
„Google & Co. müssen zahlen“

Telekom-Chef Kai Ricke-Uwe sprach im Interview mit der Wirtschaftswoche über die Traumfabrik Hollywood, riskante Infrastrukturinvestitionen und den Kampf um die Vormacht im Internet.
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Herr Ricke, Marktanteilsverluste im Festnetz, Preiskampf im Mobilfunk, Zoff beim Personalabbau - jetzt soll Ihnen das Fernsehen zu neuen Wachstumssprüngen verhelfen. Wann kaufen Sie das erste Filmstudio in Hollywood?

Daran habe ich noch nie gedacht - und das ist auch nicht geplant. Aber Sie haben insofern Recht: Wir schauen uns in Hollywood intensiv um und haben gute Kontakte zu einzelnen Studios. T-Online ist dort ja schon länger Partner. Nach der Verschmelzung mit T-Online bieten sich uns dann als integrierter Anbieter noch ganz andere Möglichkeiten.

Dann können Telekom-Kunden den nächsten Harry-Potter-Film bald exklusiv bei der Deutschen Telekom im Internet sehen?

Wenn es möglich ist, zeitlich befristet exklusive Rechte für Filmausschnitte oder ganze Filme zu sichern, kann das sehr interessant sein. Aber wir wollen kein Monopol aufbauen. Hollywood-Filme werden sicher nicht nur bei uns zu sehen sein.

Also: Noch bevor Harry Potter ins Kino kommt, bekommen Ihre Kunden den Film zuerst zu sehen.

Diesen Weg, ohne einen bestimmten Film zu nennen, kann ich mir sehr gut vorstellen. Heute ist es so, dass Filme zuerst im Kino, dann per DVD, Pay-TV, Video-on-Demand und Fernsehen vermarktet werden. Die Medienindustrie wird das Internet zunehmend als starken Vertriebskanal begreifen. Warum sollen Blockbuster-Premieren nicht auch einmal online gefeiert werden?

Wann wollen Sie starten?

Das geht an dem Tag los, an dem wir in unserem neuen Breitbandnetz mit Übertragungsraten von bis zu 50 Megabit pro Sekunde die technischen Voraussetzungen geschaffen haben. In zehn großen Städten wird das noch in diesem Jahr der Fall sein.

Warum sollten die Zuschauer die Filme ausgerechnet bei der Deutschen Telekom im Internet anschauen? Die Kabelnetzbetreiber haben doch dieselben technischen Möglichkeiten.

Fernsehen wird bei der Telekom zu einem neuen Erlebnis. Bei uns wird es zusätzliche Möglichkeiten geben, die in dieser Form niemand - auch kein Kabelnetzbetreiber - bieten kann. Unsere Programme werden von der Interaktivität mit dem Zuschauer leben. Die hohe Bandbreite über einen Anschluss ist die Basis, auf der wir dann parallel den Empfang von mehreren HDTV-Kanälen, Surfen, Videotelefonieren und mehr anbieten werden.

Und mit dem dreidimensionalen Fernsehen, das wir im Januar in Berlin vorgestellt haben, wird der Zuschauer, so viel kann ich heute schon versprechen, Teil des Geschehens. Die Telekommunikationslandschaft und die Medienwelt wird das radikal verändern - und damit auch die bisherigen Geschäftsmodelle.

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