Telekom
Die Tücke des Wartens

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Man kann René Obermann nicht vorwerfen, dass er zu viele Sachen gleichzeitig anpackt. Er verkauft Randbereiche, sucht einen Partner für die Geschäftskundensparte und kauft einen Mobilfunker in den Niederlanden. Eine ganz neue Baustelle will der erst im November angetretene Konzernchef aber nicht auch noch eröffnen und scheut deshalb vorerst die Expansion in wachstumsstarke Schwellenländer. Unter den gegebenen Umständen mag das die richtige Entscheidung sein: Die Telekom hat, anders als viele Konkurrenten, in solchen Ländern überhaupt keine Erfahrung. Um Umsatz und Gewinn spürbar zu stärken, müsste ein Konzern wie die Deutsche Telekom schon in großem Stil zuschlagen und sich entweder gleich in mehreren Ländern einer Region engagieren, oder er müsste einen Anbieter übernehmen, der bereits in einigen Emerging-Markets vertreten ist.

Vermutlich hat sich der Konzernchef seit der Präsentation seiner Strategie Anfang März nach Kaufgelegenheiten umgeschaut – und gesehen, dass eben keine Schnäppchen mehr zu haben sind. Emerging-Markets gelten als die künftigen Wachstumsmärkte der Telekommunikation. Und bei Kaufgelegenheiten stehen die Bewerber Schlange. All dies rechtfertigt Obermanns Entscheidung. Dennoch hat das Abwarten seine Tücken. Europas größter Telekom-Konzern gerät damit im Vergleich zu seinen Wettbewerbern in die Defensive. Franzosen, Briten und Spanier kaufen munter dort zu, wo, anders als in den Industrienationen, noch viel Wachstum zu erzielen ist. Obermann dagegen riskiert, sich in den Zukunftsmärkten gute Gelegenheiten entgehen zu lassen – so wie einst sein Vorgänger Kai-Uwe Ricke. Der hatte in Europa nicht beherzt zugegriffen und wurde später dafür gescholten.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid

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