Telekom: Keine Alternative

Telekom
Keine Alternative

Zuweilen irrt die Börse eben doch. So gestern, als der Kurs der Deutschen Telekom mächtig auf Talfahrt ging. Sicher, die Zahlen des Telekomriesen erschrecken, zumal der Konkurrent Telefónica zeitgleich prächtige Daten vorlegte. Dennoch hat Telekom-Chef René Obermann gestern eine alles in allem überzeugende Vorstellung geliefert. Mit harten Zahlen und Fakten belegte der neue Herr des Bonner Konzerns, warum er welche Maßnahmen plant – und liegt dabei in den meisten Punkten absolut richtig.

Da ist zum einen der Plan, Verluste im schwierigen Inlandsgeschäft durch Zukäufe und mehr Wachstum im Ausland zu kompensieren. Viel zu lange hat Obermanns Vorgänger Kai-Uwe Ricke hier gezögert. Jetzt muss schnell gehandelt werden, will man noch geeignete Übernahmekandidaten zu einem vernünftigen Preis finden. Das Geld für die Expansion will Obermann über weitere Sparmaßnahmen und den Verkauf von Randbereichen zusammenkratzen – auch das eine richtige Entscheidung.

Gleiches gilt für die neue, einfachere Tarifstruktur und den Fokus auf nur noch zwei Marken. Auch hier zögerte Ricke zu lange. Den für Kunden undurchsichtigen Markendschungel zu lichten war mehr als überfällig. Dennoch sind Jubelrufe fehl am Platze. Noch muss Obermann beweisen, ob seine Strategie auch tatsächlich trägt. Das gilt vor allem für den Aufbau einer eigenen Billigmarke. Längst sind hier die Wettbewerber im Markt. Zudem ist die Gefahr der Kannibalisierung des Kerngeschäfts groß. Fragen wirft auch die Partnersuche für T-Systems auf. Sie dürfte dem Telekom-Chef noch einige schlaflose Nächte bereiten. Dennoch zeigt Obermann eines: Er ist fest entschlossen, die Hausaufgaben zu erledigen. Dafür gibt es auch keine Alternative.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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