Telekom
Keine Alternative

Im Streit über die geplante Ausgliederung von 50 000 Service-Mitarbeitern hat die Telekom der Gewerkschaft Verdi zwar einen Kompromiss angeboten, weicht aber kaum von ihren Ursprungsforderungen ab. Und prompt sieht Verdi in dem Angebot keine Basis für weitere Gespräche.Dabei haben beide Seiten überzeugende Argumente: Die Beschäftigten der betroffenen Festnetzsparte T-Com haben schon vor drei Jahren auf Teile ihres Gehalts verzichtet und ihre Arbeitszeit reduziert, um 10 000 Jobs zu retten. Nun sollen 50 000 Mitarbeiter erneut Einbußen akzeptieren, dieses Mal sogar deutlich härtere. Dass sich angesichts solcher Forderungen Widerstand regt, ist verständlich.

Aber auch die Position der Telekom ist nachvollziehbar. Die geplante Ausgliederung an sich versteht der Konzern bereits als Kompromiss. Die Finanzmärkte würden es ohnehin lieber sehen, wenn Konzernchef René Obermann den Service-Bereich komplett verkaufen würde. Spezialisierte Dienstleister wie der Call-Center-Betreiber Walter Services zahlen ihren Mitarbeitern weniger als die Hälfte der bei der Telekom üblichen Gehälter. Die Telekom entschied sich jedoch mit dem Bund als Mehrheitsaktionär, die Beschäftigten im Konzern zu halten. Um aber Service zu konkurrenzfähigen Preisen anbieten zu können, muss sie die Konditionen der Beschäftigten beschneiden. Ohne tragfähigen Kompromiss verlieren beide Seiten: Die Telekom muss Ruhe in die eigenen Reihen bringen. Denn die geplante Service-Offensive erfordert besonders motivierte Mitarbeiter. Verdi wiederum kann die Auslagerung ohnehin nicht verhindern und täte gut daran, alles zu tun, um betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern. Diese kann die Telekom nämlich auch ohne Einigung nach Ablauf des Beschäftigungspaktes Ende 2008 aussprechen.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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