Telekom
Menetekel für Post und Bahn

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Die Tarifeinigung bei der Telekom taugt zum Lehrstück für die anderen beiden großen früheren Staatsmonopole Post und Bahn. Von den einstigen Monopolgewinnen der Telekom lebten auch ihre Beschäftigten gut. Mit weniger Arbeit konnten sie oft mehr Geld verdienen als Arbeitnehmer in vergleichbaren Berufen.

Der Fall des Monopols Anfang 1998 änderte daran erst einmal wenig:Die Branche erlebte damals einen aus heutiger Sicht kaum vorstellbaren Boom, der Arbeitsplatzverluste bei der Telekom mit neuen Jobs bei den Wettbewerbern mehr als ausglich. Dass die Neuen für einfachere Tätigkeiten weniger zahlten, wurde erst in der Krise nach dem Jahr 2000 so richtig zu ihrem Wettbewerbsvorteil.

Es war in den Folgejahren die Arbeitgeberseite, die zu wenig und zu spät reagierte:Während in anderen Branchen die Tarifpartner rezessionsfeste Verträge schufen, die Lohnkosten nach und nach senkten und so die Basis für den heutigen Aufschwung legten, geschah dies bei den früheren Staatsbetrieben zu wenig – auch weil sich Obermanns Vorgänger Kai-Uwe Ricke mit Rücksicht auf den Großaktionär Bund allzu lange nicht traute.

Inzwischen setzt nicht mehr die Telekom, sondern der Wettbewerb bei den Tarifverträgen die Standards. Daran wird sich die Telekom anpassen müssen, wenn ihr Festnetzgeschäft nicht ganz untergehen soll. Die jetzt erzielte Einigung taugt daher kaum, um generelle Aussagen zur Stärke oder Schwäche der Gewerkschaften zu treffen. Das Entgegenkommen Verdis ist vor allem ein realistisches Urteil über die spezifische Lage eines Ex-Monopolisten: Der Tarifvertrag organisiert den Übergang zu branchenüblich niedrigeren Löhnen. Dass es bei der Konkurrenz wegen guter Konjunktur Lohnsteigerungen geben wird, erleichtert die Anpassung.

Für die Beschäftigten bei Post und Bahn zeigt das Lehrstück Telekom:

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin

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