Telekom
Ohne Perspektive

Die miserablen Geschäftszahlen, die Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke vor wenigen Tagen präsentiert hat, haben eine Diskussion über seine Zukunft als Konzernlenker losgetreten. In der Süddeutschen Zeitung etwa ist zu lesen, dass Aktionärskreise eine Ablösung Rickes erwägten, um den Kursverfall zu stoppen.

Es ist nicht verwunderlich, dass solche Spekulationen aufkommen. Schließlich musste Ricke am vergangenen Donnerstag einen herben Gewinneinbruch und die drastische Reduzierung seiner Ergebnisprognosen eingestehen. Und im November steht die Verlängerung seines Vertrags an. Ricke selbst gibt sich kämpferisch und bekräftigt, dass er weitermachen will: jetzt erst recht.

Die Verärgerung der Aktionäre ist aber verständlich. Der Bund, der noch mit 32 Prozent an der Telekom beteiligt ist, will mit dem Verkauf seiner restlichen Anteile einen möglichst hohen Preis erzielen. Der Finanzinvestor Blackstone, der mit 4,5 Prozent an der Telekom beteiligt ist, hat seit seinem Einstieg im April bereits knapp 500 Mill. Euro verloren. Allein am Donnerstag brach der Kurs um acht Prozent ein.

Schon werden Erinnerungen an den Abgang von Rickes Vorgänger Ron Sommer wach. Sein Ende begann 2002 ebenfalls mit entsprechenden Gerüchten aus Berlin. Das ist aber auch schon die einzige Parallele. Sommer scheiterte nicht an dem Kursverfall der T-Aktie oder dem gigantischen Schuldenberg von fast 70 Mrd. Euro, den er durch überteuerte Zukäufe angehäuft hatte. Der Grund für sein Aus lag letztlich darin, dass er die Vorstandsgehälter drastisch erhöht hatte, obwohl die vermeintliche Volksaktie gleichzeitig immer weiter an Wert verlor. Die CDU/CSU entdeckte dieses Missverhältnis als Wahlkampfthema und machte gewaltig Stimmung gegen den Konzernchef.

Derzeit ist kein Wahlkampf, und unter Kai-Uwe Ricke steht die Telekom wesentlich besser da als zu Zeiten Sommers. Die Schulden sind fast halbiert. Während für Dividendenzahlungen damals gar kein Geld mehr vorhanden war, zahlt Ricke seinen Aktionären jetzt trotz Krise eine Rekorddividende von 72 Cent. Sie entspricht der Summe des vergangenen Jahres, des erfolgreichsten in der Geschichte der Telekom.

Seite 1:

Ohne Perspektive

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%