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Terror als Dauergefahr

Mehr als 50 Tote in London, 88 Opfer in Scharm el Scheich – jede Woche reißen derzeit islamische Fanatiker Menschen mit in den Tod. An keinem Ort der Welt, so die Botschaft der Extremisten, ist man gegen ihre Angriffe gefeit. Der Terror kennt keine räumlichen und zeitlichen Grenzen.

Der dauerhafte und allgegenwärtige Schrecken hat dabei zwei sehr unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Zum einen stufen immer mehr Menschen Terrorangriffe anscheinend als zwar schreckliche, aber unvermeidbare Begleiterscheinung ihres Lebens ein. Nur so lässt sich erklären, wieso diesmal nur noch ein kleiner Teil der Deutschen in Scharm el Scheich seinen Urlaub abbrach. Man kann dies als Abstumpfung gegenüber dem Leid anderer kritisieren. Aber gleichzeitig unterläuft diese „Gewöhnung“ an den Terror die Strategie der Extremisten, Länder mit Anschlägen wirtschaftlich zu treffen.

Zum anderen zeigt die Politik in den westlichen Staaten jedoch deutliche Stressspuren. Jeder Anschlag treibt die Diskussion um neue Sicherheitsgesetze auf einen weiteren Höhepunkt. Sogar der Absturz eines Ultraleichtflugzeuges in Berlin entfacht wieder eine heftige Debatte über den Einsatz der Bundeswehr im Inneren.

Dieser Reflex ist verständlich und falsch zugleich. Die Menschen erwarten von der Politik, dass sie in einem größtmöglichen Maße geschützt werden. Aber so wehrhaft die Demokratien in Europa und den USA auch sein müssen – nichts wäre schlimmer, als bei der Antwort auf die Terrorgefahr überzureagieren. Wie tragisch dies sein kann, beweist der Tod eines Brasilianers, der von Polizisten in London aus Angst vor einem neuen Anschlag per Kopfschuss getötet wurde.

Die Politik hat wirkungsvolle Instrumente in der Hand, um die Gefahr von Anschlägen zu vermindern. Sie muss hart gegen Hassprediger vorgehen, die weltweite Allianz gegen Extremisten stärken und sich um die bessere Integration des moslemischen Teils unserer Bevölkerungen bemühen. Aber sie darf den Bürgern nicht vorgaukeln, dass es einen allumfassenden Schutz gäbe – etwa durch einen Einsatz der Bundeswehr im Inneren.

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