Terror in Madrid: Grausamer Fanatismus

Terror in Madrid
Grausamer Fanatismus

Wir sehen die Bilder, aber wirklich verstehen können wir es nicht: Ein Terroranschlag mit mehr als 190 Toten, aber nicht in Bagdad, sondern mitten in einer europäischen Metropole. Endgültige Gewissheit über die Urheberschaft gibt es nicht.

Wir sehen die Bilder, aber wirklich verstehen können wir es nicht: Ein Terroranschlag mit mehr als 190 Toten, aber nicht in Bagdad, sondern mitten in einer europäischen Metropole. Endgültige Gewissheit über die Urheberschaft gibt es nicht. Die spanische Regierung sah sie zwar zunächst eindeutig bei der Eta und berief sich auf Sprengstoffanalysen und Informationen aus der Bande. Doch ein Bekennerschreiben wirft Zweifel auf: El Kaida bezichtigt sich darin, für die „Operation Todeszüge“ verantwortlich zu sein.

Die Echtheit des Briefes ließ sich zunächst nicht überprüfen – Wirkung zeigte er trotzdem: Eine Welle der Angst schwappte rund um den Globus. Die Aktivitäten der Eta schienen – so zynisch das klingen mag – geographisch eingrenzbar. Sollte El Kaida verantwortlich sein für die Bombenattentate von Madrid, dann hätte nicht nur Spanien ein riesiges Problem, sondern die gesamte westliche Welt. Erstmals wäre es den islamistischen Terroristen gelungen, mit ihrem perversen Tun ins Herz Europas vorzudringen.

Madrid hatte ein solches Massaker schon länger befürchtet. In den vergangenen Wochen wurden mehrere Anschläge gerade noch rechtzeitig verhindert. Die Arbeit der spanischen Sicherheitskräfte richtete sich allerdings gegen die Eta. Die baskischen Terroristen, so glaubte die Regierung in Madrid, wollte ein blutiges Zeichen setzen – gerade weil die Polizeiarbeit der konservativen Regierung in jüngster Zeit so erfolgreich war.

Das oberflächlich so stabil wirkende Spanien ist fragiler, als man von außen wahrnimmt. Es fällt schwer zu glauben, aber im 21. Jahrhundert hat das Baskenland tatsächlich Züge einer totalitären Gesellschaft angenommen: Außenseiter sind nicht die Terroristen, sondern Angehörige von Eta-Opfern und alle, die sich zur spanischen Demokratie bekennen. Sie werden als Faschisten verhöhnt. Der Sympathisantenkreis von Eta reicht von Linksradikalen bis zu Katholiken.

Die Täterschaft der Eta könnte sich also am Ende doch bestätigen. Trotzdem ist nach den Anschlägen von Madrid eines klarer denn je: Der Terrorismus ist ein globales Phänomen. Deshalb darf die Welt weder Spanien noch ein anderes Land beim Kampf gegen den Terror allein lassen.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
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