Terrorakte
Die Logik der Gewalt

Wer Terror mit militärischer Gewalt beantwortet, der erntet Blut. Nach den Anschlägen, Entführungen und Geiselmorden im Irak, in Israel und jetzt wieder in Russland drängt sich diese Erkenntnis auf. Doch die politisch Verantwortlichen weigern sich, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Im Gegenteil: Die Politik der eisernen Hand hat in allen drei Konflikten zur Eskalation beigetragen.

Klar, jede Krise hat ihre eigene Logik. Doch es gibt Gemeinsamkeiten. Überall werden die Terroristen rücksichtsloser, ihre brutalen Anschläge treffen immer mehr Zivilisten – seien es nepalesische Arbeiter oder russische Schüler. Mit Freiheitskampf hat das nichts mehr zu tun, das ist Terror. Diese Entwicklung haben weder Moskau, Tel Aviv noch Washington eingedämmt; sie trugen gar zur Radikalisierung bei. Einst kämpften Palästinenser und Tschetschenen für legitime Rechte. Vor gut einem Jahr begrüßten viele Iraker die US- Soldaten als Befreier. Zur Gewalt bereite Extremisten waren isoliert – heute finden sie großen Widerhall.

Den Regierenden in Israel, Russland und in den USA fehlen politische Rezepte. Ihre Ohnmacht kaschieren sie mit militärischer Stärke. Doch helfen die gezielte Tötung radikaler Palästinenser, Bombenangriffe auf irakische Dörfer und die Unterjochung der Tschetschenen nicht bei der Lösung der Konflikte, sie sind Teil des Problems. Sie fördern die Bereitschaft zu Selbstmordattentaten und bescheren global agierenden Terroristen neue Operationsfelder.

Genau deshalb steht die Weltgemeinschaft in der Pflicht. Wie im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern müssen sich die Europäer im Irak und in Tschetschenien einschalten, auch im eigenen Sicherheitsinteresse. Im Irak findet diese Internationalisierung leise statt: Uno und Nato haben einen Fuß in der Tür, der politische Prozess hat begonnen.

Ganz anders in Tschetschenien. Bislang schiebt Russlands Präsident die Verantwortung internationalen Terroristen zu, blockt aber jede Einmischung ab. Deutschland als engster Partner Russlands darf das nicht hinnehmen. Der Bundeskanzler hat bei seinem Treffen mit Putin zwar öffentlich einen Persilschein ausgestellt, unter vier Augen aber offenbar Tacheles geredet. Russland rief gestern den Uno-Sicherheitsrat an. Das kann ein Hinweis sein, dass Schröders Signal angekommen ist.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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