Terrorismusbekämpfung
Die Abschreckung versagt

Gegen den modernen Terrorismus helfen die klassischen Methoden der Bekämpfung von Gewalttätern nicht mehr weiter. Neue Strategien sind gefragt. Doch zunächst müssen Wesenszüge und Wurzeln des Terrorismus aufgedeckt werden.

HB DÜSSELDORF.Eine Woche vor dem vierten Jahrestag der Anschläge vom 11. September auf die USA feierten die Terroristen der El Kaida die Verwüstungen durch den Hurrikan "Katrina". Die Katastrophe, die New Orleans und weite Teile des Mississippi-Deltas in den USA zerstörte, pries der Anführer der irakischen Zelle Abu Mussab el Sarkawi in einem Kommuniqué: "Der große Zorn Gottes hat die Anführer der Unterdrücker getroffen und lässt Tausende von Toten sowie Verluste in Höhe von Zigmilliarden US-Dollar zurück. Die Vereinigten Staaten sind daran gewöhnt, anzugreifen, wen sie wollen, und Hunger leiden zu lassen, wen sie wollen, aber heute bitten sie selbst die Welt um Rohöl und um Nahrungsmittel. Dieses Ereignis vom 29. August ist eine Antwort Gottes auf die Gebete und Bitten der von den USA Unterdrückten: Sie sind erhört worden." (El País, 5. 9. 05, S. 5).

Eine Steigerung des Zynismus ist kaum noch vorstellbar. Doch die Abscheu vor den Taten und die Furcht vor den Folgen des zugleich internationalen und fundamentalistischen Terrors entlässt uns nicht aus der Pflicht, diesem Phänomen rational nachzuspüren. Im Gegenteil: Wenn wir dieser Geißel Herr werden wollen, müssen wir ihre wichtigsten Wesenszüge und ihre wahrscheinlichen Wurzeln aufdecken, bevor wir über geeignete Gegenstrategien nachdenken können.

Der moderne Terrorismus unterscheidet sich wesentlich von den früheren Erscheinungsformen des internationalen Terrorismus. Wissenschaftliche Untersuchungen, die jenem galten oder noch gelten, sind zwar nicht völlig überholt. Es ist aber notwendig, sie fortzuentwickeln.

Das "traditionelle Terrorszenario" wurde wie folgt beschrieben: Terrorgruppen verüben Anschläge oder drohen diese an. Sind die Verbrechen noch nicht ausgeführt worden oder sind Entführungen noch im Gange, so kann die Regierung des bedrohten Landes sich auf Verhandlungen einlassen und dabei Zugeständnisse an die Terroristen machen (wie etwa die Freilassung inhaftierter Bandenmitglieder) oder sie kann schlicht vor den Gewalttätern "kapitulieren" (mit negativen Folgen für die eigene Reputation). Sie kann allerdings auch Verhandlungen rundherum ablehnen.

Tut sie das im Vorhinein in Form einer generellen Verweigerung von Verhandlungen mit Terroristen, also bevor ein Anschlag durch derartige Gruppen angedroht wird, so will sie damit eine abschreckende Wirkung auf die Terroristen erzielen: Die Regierung signalisiert, dass sie sich auch unter Druck keine Zugeständnisse abhandeln lässt. Ebenfalls abschreckend gemeint sind die Verschärfung so genannter Anti-Terrorgesetze sowie die Ankündigung von Repressalien, falls ein Anschlag verübt wird. Auch Präventivschläge gehören zum Drohszenario.

Solche Drohungen können sich gegen die Terroristen selbst, ihre Sympathisanten oder die Regierungen solcher Länder richten ("Schurkenstaaten"), von denen angenommen wird, dass sie die Terrorgruppe logistisch oder in einer anderen Weise gezielt unterstützen. Schließlich kann jede Regierung zu Maßnahmen greifen, die der Prävention dienen sollen, unter anderem durch den verstärkten Schutz von potenziellen Zielen.

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