Thailand
Blamierte Generäle

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In Thailand haben sich die Militärs gründlich verkalkuliert. Just jener Mann, den sie wegen Amtsmissbrauchs und Korruption im Herbst 2006 aus dem Amt gejagt haben, erweist sich bei der ersten Wahl nach dem Militärputsch als der eigentliche Sieger. Der Multimilliardär und Ex-Premier Thaksin dürfte sich zwar so schnell nicht an die Spitze der neuen Regierung stellen. Doch es besteht kein Zweifel, dass er die Strippen aus dem Hintergrund ziehen wird.

Für die politische Zukunft Thailands bedeutet der Wahlsieg der Nachfolgepartei Thaksins wenig Erfreuliches. Die Generäle werden die Entwicklung der nächsten Monate überaus misstrauisch verfolgen. Niemand kann ausschließen, dass sie erneut eingreifen. Doch damit würden sie den letzten Rest an Vertrauen in der Bevölkerung verspielen. Denn die hat in den vergangenen 15 Monaten eine Lektion gelernt: Die Generäle bieten dem Land keine Zukunft.

Ihre Ungeschicklichkeit kostete Thailand den Ruf eines attraktiven, einigermaßen stabilen Standorts. Die Wirtschaft hat unter dem Putsch schwer gelitten. Über ihre Fixierung darauf, ein Comeback Thaksins zu verhindern, vergaßen die Generäle, das Land wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Gewiss, der Ex-Premier hatte Geschäft und Amt miteinander verknüpft, hatte ein autoritäres Gehabe zur Schau getragen und das Land tief gespalten. Doch er war vom Volk gewählt. Und das steht weiter zu ihm.

Die Militärs können aus ihrem Desaster nur eine Lehre ziehen: In Thailand ist die Zeit der Putsche endgültig vorbei. Ob sie zu dieser Erkenntnis in der Lage sind, wird sich zeigen. Schließlich hatte der höchst respektierte König Bhumibol ihnen seinerzeit den Segen erteilt. Eines ist sicher: Lassen die Generäle die Panzer erneut auffahren, dürfte es nicht so unblutig zugehen wie im Herbst 2006.

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