Thomas Cook: Kommentar: Rechnung mit Unbekannten

Thomas Cook
Kommentar: Rechnung mit Unbekannten

Es war wie ein Paukenschlag: Erst Ende letzter Woche wurde Karstadt-Quelle alleiniger Herr im Hause des Reiseveranstalters Thomas Cook - nachdem der 50-Prozent-Anteil des bisherigen Joint-Venture-Partners Lufthansa planmäßig übernommen war. Und schon heute geht der Essener Warenhaus- und Touristikkonzern in die Offensive. Mit dem Einkauf des britischen Reiseveranstalters My Travel rückt die Touristik-Tochter, ohnehin schon Nummer zwei in Europa, fast schon auf Tuchfühlung an den Reiseriesen Nummer eins, die Tui heran. Geschickter Schachzug: Der neue Großkonzern wird in Großbritannien unter dem Traditionsnamen Thomas Cook antreten, der gerade im englischen Sprachraum einen seit mehr als einem Jahrhundert gewachsenen guten Klang hat.

Das Zusammengehen des bislang überwiegend deutsch dominierten und des britischen Reisekonzerns kommt gleichwohl überraschend. Bis vor kurzem noch schienen beide Unternehmen Wettbewerber im Kampf um die britische Touristikfirma First Choice zu sein. Entweder waren entsprechende Gerüchte ein Ablenkungsmanöver, oder aber der Bieterkampf hat eine überraschende Wende genommen. So oder so - die gewaltige Akquisition von Karstadt-Quelle erinnert an die stürmische Zeit der 90-er Jahre, als sich die Tui und die damalige Condor & Neckermann-Firma, die dann später zu Thomas Cook wurde, heftige und teure Bietergefechte leisteten. Das hatte das Joint-Venture dann fast bis an den Rand des Ruins gebracht, und die Tui leidet heute noch unter ihrem Milliarden-Schuldenberg, der sie allerdings auch davor bewahren dürfte, trotz des schwächelnden Aktienkurses mal eben von einem vermögenden Großaktionäre geschluckt zu werden.

Der Deal jenseits des Kanals trägt unverkennbar die Handschrift von Karstadt-Quelle-Chef Thomas Middelhoff. In der Zeit der wieder erwachenden Konsumlust setzt er klar auf die Potenziale des Touristikgeschäfts, von dem er sich auf die Dauer mehr versprechen dürfte als von der Warenhaus-Sparte. Tourismus ist aber ein Schön-Wetter-Geschäft, das mit erheblichen Risiken, weit über einen verregneten Sommer hinaus, behaftet ist. Krieg und Krisen, vor allem aber der Terror und schon die Furcht davor, werfen immer wieder optimistische Kalkulationen über den Haufen.

Eine neue Unbekannte ist zudem das weltweit wachsende Klima-Bewusstsein. Sie könnte vor allem das Brot- und Butter-Geschäft der Reisekonzerne, den Pauschaltourismus zu den Sonnenzielen rund ums Mittelmeer, erheblich vermiesen - dann jedenfalls, wenn Politik und Gesellschaft zu der Erkenntnis kommen sollten, das derzeit immer noch wachsende Flugreise-Geschäft über den Preis spürbar zurückzudrehen. Das wird zwar nicht morgen oder übermorgen kommen, doch CO2-Zuschläge auf Ticketpreise könnten das seit eh und je margenschwache Touristikgeschäft auch von schon relativ chnell negativ beeinflussen.

So gesehen, macht der Karstadt-Quelle-Chef eine Rechnung mit einigen Unbekannten auf. Er erinnert damit ein wenig an Tui-Chef Michael Frenzel, der seinerzeit das Industriekonglomerat Preussag zum Reisekonzern umbaute. Der Terror des 11. Septembers hatte diesen Weg jäh gestoppt.

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