Tibet
Pekings Anmaßung

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Für China gibt es zwei neuralgische Themen. Taiwan ist das eine, Tibet und öffentliche Aufmerksamkeit für den Dalai Lama das andere. Bei beiden sträuben sich der Führungsriege regelmäßig die Nackenhaare. Gelegentlich verliert die chinesische Regierung auch schon mal die Contenance. So wie jetzt, weil dem spirituellen Führer der Tibeter in den USA die Congressional Gold Medal verliehen wurde. Da spielt sich die kommunistische Führung auf, als könne sie einem demokratisch gewählten Parlament vorschreiben, wem dieses Ehrungen zuteil werden lässt. Schon die überaus pikierten Reaktionen auf die privaten Treffen des Dalai Lamas mit Kanzlerin Merkel und US-Präsident Bush muten einigermaßen skurril an. Schlicht anmaßend sind jedoch Chinas Versuche, den US-Kongress nach Pekings Pfeife tanzen zu lassen. Schließlich handelt es sich dabei nicht um den Volkskongress.

Zu verstehen ist die Empfindlichkeit nur vor dem historischen Hintergrund. Für Peking ist Tibet seit der gewaltsamen Annektierung des Hochlands im Himalaya vor mehr als fünfzig Jahren ein wunder Punkt. Zwar sehen die meisten Partner Chinas im Interesse intakter Beziehungen über das einst begangene Unrecht hinweg. Doch der Dalai Lama schafft es mit Charisma und Charme immer wieder, die Tibet-Frage als Politikum in Erinnerung zu rufen. Zu Recht, denn die Sinisierung Tibets schreitet schnell voran, die Tibeter sind inzwischen eine Minderheit auf eigenem Territorium. Daran darf immer wieder erinnert werden, selbst wenn die Eingliederung Tibets längst politisches Faktum ist. Doch wer sich für Menschenrechte, religiöse Freiheit und Demokratie starkmacht, kommt um das Thema nicht herum. Da können sich die Chinesen ärgern, solange sie wollen.

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