Tour de France
Kommentar: Haste Ullrich, haste Quote

Die Nation war fasziniert vom noch immer erstaunlichen Duell zwischen Ullrich und Lance Armstrong und vergaß alle Dopingvergehen, Promilleausrutscher und sonstigen Eskapaden der jüngeren Vergangenheit.

Jan Ullrich hat es mal wieder geschafft. Auf Platz zwei der Tour de France. Vor allem aber ist es ihm gelungen, dass die Deutschen im Juli 2003 über solch bedeutsame Dinge wie die richtige Sitzposition auf dem Rad, etwaige Hungeräste und am Samstag auch darüber diskutierten, warum es bei den High-Tech-Pedaleuren keine vernünftigen Regenreifen gibt. Sei’s drum.

Die Nation war jedenfalls fasziniert vom noch immer erstaunlichen Duell zwischen Ullrich und Lance Armstrong und vergaß alle Dopingvergehen, Promilleausrutscher und sonstigen Eskapaden der jüngeren Vergangenheit. Auch nur ein Mensch, unser Ulle.

Einer, der es sogar schafft, dass auch die biedersten Zeitgenossen einen Hauch von der Tour-Euphorie hier zu Lande mitbekommen. Ein Hallo-wach-Effekt bei Leuten, die Enzensberger, von Clausewitz und Voltaires Candide zitieren können, aber nur mühsam vermuten, wer, sagen wir mal, Rudi Völler ist. Im Tal der Ahnungslosen werden sie womöglich überrascht feststellen, dass auf der Agenda vieler – neben Irak und Gesundheitsreform – noch andere Themen stehen. Glückwunsch zu einer Leistung der besonderen Art, Herr Ullrich.

Genau diese Leistung und dieser Fakt hat nicht zuletzt die Telekom gewurmt. Die seinerzeit sehr wohl nachvollziehbare Trennung von Ullrich erwies sich in den vergangenen Wochen als schmerzlich. Wo sich früher im Mannschaftshotel der Bonner die Journalisten tummelten, herrschte diesmal gähnende Leere. Die Berichterstatter waren bei Bianchi, die Verbindung zur Telekom schien irgendwie gekappt. Nebbich, werden die Magentafarbenen antworten.

So oder so hat sich bewahrheitet, dass Radsport in Deutschland eine One-Man-Show ist. Frei nach Bohlen könnte man sagen: Haste Ullrich, haste Quote.

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