Transrapid
Kommentar: Der Transrapid ist tot

Erst beerdigen sie ihn, und dann faseln sie schon wieder von einer Zukunft als „wichtige Exporttechnologie Deutschlands“. Das ist schlicht Unsinn, auch wenn Politik und Wirtschaft am Mittwoch erneut der Mut zur Wahrheit fehlte.
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Das Scheitern des Münchener Projekts entpuppt sich als Desaster für den Standort Deutschland. Nicht nur, weil es das Ende des Transrapids bedeutet. Viel schlimmer wiegt, dass in Politik wie Wirtschaft die Fähigkeit abhandengekommen ist, in großen Zusammenhängen und Summen zu denken.

Vor wenigen Monaten wurde noch euphorisch der „Durchbruch“ des Projekts gefeiert, die Finanzierung stehe. Doch bereits nach wenigen Monaten ernsthafter Kalkulation zeigt sich: Die Airport-Bahn würde nicht nur ein bisschen teurer, sondern gleich doppelt so teuer. Vollmundig war zuvor von „design to cost“ geredet worden: Als „Zielkostenprojekt“ sollte der Transrapid im nächsten Jahrzehnt zu bereits 2004 kalkulierten Preisen in den Schwebedienst gehen. Welch ein Schwachsinn – das weiß jeder Häuslebauer.

Da drängt sich der Verdacht auf, dass sich Manager wie Spitzenpolitiker in den letzten Monaten kräftig etwas in die Tasche gelogen haben. Doch Augen-zu-und-durch-Taktiken, wie sie in der Politik beliebt sind, funktionieren eben dann nicht mehr, wenn die Kostenrechner den Stift ansetzen.

Den Schwarzen Peter nun einfach auf die Bauwirtschaft zu schieben mag naheliegen. Doch letztlich ist es scheinheilig. Da mögen die Transrapidpartner Siemens und Thyssen-Krupp mit noch so artigem Augenaufschlag verkünden, dass sie ihre Preise weithin gehalten haben. Als Systemführer und als Konzerne mit reichlich Erfahrung in Verkehrsgroßprojekten muss ihnen von Anfang an klar gewesen sein, dass die von Bund und Bayern in Aussicht gestellten Mittel von 1,85 Milliarden Euro viel zu knapp kalkuliert waren.

Von dem Geld, das nach Abzug der Kosten für das Transrapidsystem übrig geblieben wäre, hätte die Bauindustrie eigenen Angaben zufolge nicht einmal die Rechnungen für Zement und Stahl bezahlen können. Das allerdings hätte dem Baukonsortium auch schon in einer simplen Überschlagsrechnung auffallen können. Der Dumme ist mal wieder der Steuerzahler. Über 1,2 Milliarden Euro sind in den Transrapid aus öffentlichen Mitteln geflossen. Die Abermillionen für Planungen und Gutachten für die verschiedenen Transrapidprojekte noch gar nicht gerechnet.

Ärgerlich ist das Scheitern auch für den Flughafen München und seine Passagiere. Die Reise zu den Terminals im Erdinger Moos wird weiterhin länger dauern und beschwerlicher sein als viele der europäischen Kurzstreckenflüge.

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