Tui
Frenzels Wenden

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Der Reise- und Schifffahrtskonzern Tui, in den letzten Monaten eher die lahme Ente im Dax, regt wieder die berühmte Fantasie an der Börse an – und der Kurs steigt. Einmal mehr steht bei dem ehemaligen Preussag-Konzern eine Kehrtwende an. Vorstand und Aufsichtsrat, so gestern die Ad-hoc-Mitteilung, wollten eine Trennung der Container-Schifffahrt aus dem Konzern, also der hundertprozentigen Tochter Hapag-Lloyd, herbeiführen.

Das bedeutet das Ende der von Konzernchef Michael Frenzel seit einigen Jahren mit Inbrunst vertretenen „Zwei-Säulen-Strategie“. Nachdem es ihm nicht gelungen war, im schwierigen Umfeld von Terror, Krieg und Naturkatastrophen aus dem alten Mischkonzern Preussag einen lupenreinen, erfolgreichen Touristikkonzern zu gestalten, hatte er Hapag-Lloyd als zweites Bein aufgebaut – zur Absicherung des volatilen Reisegeschäfts.

Erst vor wenigen Wochen hatte Frenzel die große Bedeutung der Schifffahrt für den Gesamtkonzern betont und wollte vom Aufsichtsrat die Verschmelzung von Tui und Tochter genehmigt bekommen. Der Fünf-Prozent-Großaktionär John Fredriksen, der norwegische Reeder, war dagegen. Und er inszenierte ein Medienspektakel gegen Frenzel mit immer neuen Forderungen.

Erreicht hat er offenbar, dass die Aufspaltung der Tui jetzt doch ein Thema ist. Frenzel mag es drehen und wenden, wie er will. Er ist eingeknickt. Wenn das Unternehmen die Prüfung einer Aufspaltung des Konzerns auch als Entscheidung – neben dem Aufsichtsrat – des Vorstands darstellt, hat sich der seit 1994 eher glücklos amtierende Tui-Chef persönlich erneut diametral gewendet. Er ist nicht mehr glaubhaft. Er ist gescheitert. Deshalb sollte er über seinen Rücktritt nachdenken.

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