Tui
Kommentar: Kampf der Dickköpfe

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Darauf haben viele gewartet: Nachdem der Sonnenkönig von Hannover, Tui-Chef Michael Frenzel, jahrelang alles an sich hat abtropfen lassen, tritt ihm nun ein Widersacher entgegen, der sich einen Kampf nicht nur leisten kann, sondern sich dafür begeistert: Guy Wyser-Pratte.

Der US-Finanzinvestor ist ein Phänomen. Kaum ein anderer Investor löst in Vorstandsetagen solche Nervosität aus wie er. Denn Wyser-Pratte steigt nicht nur bei Unternehmen ein und aus, er zelebriert dies mit viel psychologischem Kalkül.

Ein paar Prozent des Kapitals, mehr braucht Wyser-Pratte nicht, um gemütlich vor sich hinwirtschaftende Manager vom Hof zu jagen. In Fällen, wo die Gegenwehr des Vorstands vorher klar ist, beginnt die Show mit einem Paukenschlag. Wyser-Pratte kauft sich mit minimalem Anteil ein und stellt Forderungen, als gehöre ihm der halbe Laden. Doch Vorstände, die sich gelassen zurücklehnen, liegen falsch. Wyser-Pratte kennt sich aus in Militärtaktik: Beginne keine Schlacht, die du nicht gewinnen kannst.

Wyser-Pratte weiß, wie groß der Unmut der Tui-Aktionäre ist. Jahrelang mussten sie zusehen, wie ihre Aktien der Konkurrenz hinterherhinkten. Wenn Wyser-Pratte es schafft, die wütenden Anleger hinter sich zu scharen, wird er viel mächtiger, als es sein eigener Aktienanteil von einem Prozent erscheinen lässt.

Freilich, auch Frenzel hat vorgesorgt. Die Tatsache, dass mehrere Geschäftspartner von Tui große Aktienpakete halten, lassen Spötter von „Frenzel and Friends“ sprechen. Niemand will es sich mit seinem Großkunden verscherzen. Bis zur Hauptversammlung hat Frenzel noch acht Monate Zeit, um neue Bündnisse zu schmieden. Doch diesmal wird Wyser-Pratte jeden Schritt beobachten. Und kommentieren.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

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