Tui und First Choice
Kommentar: Neue Größe, die Sinn macht

Größe macht sich immer gut: Europas größter Reise- und Schifffahrtskonzern, die Tui, fusioniert ihre touristischen Aktivitäten mit Europas Nummer 4, dem britischen Touristikunternehmen First Choice. Klar, das da etwas ganz Großes heraus kommt - einer der größten Reisekonzerne der Welt. An der Börse hat das heute schon imponiert, der Aktienkurs der Tui hat einen Sprung nach oben gemacht.

Doch das sind zunächst einmal Vorschusslorbeeren, die die künftige, an der Londoner Börse notierte Tui Travel erst einmal verdienen muss. Dass sie es schafft, dafür scheinen die Chancen aber gut zu stehen. Finanzfachleute und Touristiker sind sich sehr einig darin, dass Tui-Chef ein sehr guter Deal gelungen ist.

Abgesehen davon, dass die britische Tui-Tochter Thomson durch die künftige Gemeinsamkeit mit First Choice auf der Insel erhebliche Synergien erzielen wird, vereinigt der künftige Reise-Riese optimal die beiden gegenläufigen Strömungen dieses Geschäfts unter einem Dach: Stark ist er im Segment der Pauschalreise vorwiegend zu den Badezielen am Mittelmeer dank der profunden Erfahrung, die die Tui auf diesem Sektor hat. Dagegen bringt First Choice umfassendes Know-how im Bereich der Luxus- und Spezialreisen ein, insbesondere im Bereich der Baustein-Reisen, bei denen der Kunde Flug, Hotel, Mietwagen und sonstige touristische Dienstleistungen individuell buchen kann. In diesem Bereich ist die Tui bisher eher unterbelichtet. So kann erwartet werden, dass Europas Nummer 1 im Reisegeschäft in allen seinen Märkten künftig mit dem britischen Know-how auch dieses wachsende Geschäft stärker betreiben wird - und damit die immer wieder prognostizierten Rückgänge bei der Pauschalreise allemal kompensieren kann.

Die geplante Fusion wird auch ein starkes Management bringen: Der designierte Vorstand der künftigen Tui Travel in London liest sich wie ein Who’ Who der Touristikbranche. Unter der Führung von Noch-First-Choice-Chef Peter Long treten exzellente Touristiker aus Großbritannien und Deutschland an. Wobei die Frage bleibt, was aus dem noch gar nicht so lange bei der Tui in Hannover etablierten Chef-Touristiker Peter Rothwell wird. Kaum vorstellbar, dass er, wie jetzt angekündigt, eine Rolle unter mehreren unter Long einnehmen wird.

Bleibt eine weitere Frage, ob die Tui den Deal nicht zu teuer bezahlt. Auf den ersten Blick sieht das so aus: Da kommen ein Konzern mit 14 Mrd. Euro Umsatz und einer mit vier Millarden Euro Umsatz zusammen. Wie kann dann der größere Partner am Ende „nur“ 51 Prozent in der neuen Gesellschaft halten?. Der Blick auf die Marktbewertung der beiden Konzerne erklärt das allerdings. First Choice ist das renditestärkste große Touristikunternehmen in Europa mit rund 5 Prozent Umsatzrendite. Davon kann Tui nur träumen und lernen. Nicht vergessen werden sollte, dass sie die guten Nachrichten von London heute nutzte, um ihre bescheidene Bilanz 2006 zu verstecken. Auch wenn der Verlust von knapp 850 Mill. Euro, nur zu Teilen auf das touristische Geschäft zurückzuführen ist, sagt die Zahl eine Menge darüber aus, welches Unternehmen zumindest derzeit die bessere Performance hat.

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