Tui will CP Ships kaufen
Kommentar: Klar zur Wende

Mit milliardenschweren Zukäufen hat die Tui bereits Erfahrungen gesammelt, allerdings keine guten.

Konzernchef Michael Frenzel startete seine Einkaufstour quer durch die Reiseindustrie wenig glücklich auf dem Höhepunkt der Branchenkonjunktur. Die Akquisitionen von Thomson Travel & Co. waren teuer – viel zu teuer, wie sich bald herausstellte. Der wundersame Wandel vom stahllastigen Gemischtwarenladen Preussag zu Europas größtem Urlaubsmacher brachte der Tui zwar ein sonniges Image, aber auch hohe Schulden und mickrige Renditen.

„Klar zur Wende“ heißt Frenzels Botschaft im Spätsommer 2005 – oder frei nach Immanuel Kant: „Es ist nichts beständig als die Unbeständigkeit.“ Jetzt soll die ertragsstarke Schifffahrtstochter mit einem mutigen Zukauf gestärkt und so die Abhängigkeit des Konzerns von der margenschwachen Touristik verringert werden. Obwohl Frenzel damit seine Vision einer lupenreinen Urlaubsfabrik zu Grabe trägt: Die Logik, die hinter dem überraschenden Wendemanöver steht, ist durchaus nachvollziehbar: Warum alles auf die Karte Tourismus setzen, wenn doch die Containerschifffahrt das weit einträglichere Geschäft ist?

Investoren sind jedoch wenig begeistert: Eine Milliarde Euro sollen sie per Kapitalerhöhung beisteuern und zudem schlucken, dass Tui seine Entschuldungsziele nach hinten verschiebt. Hinzu kommt die Angst, dass der Tui-Kapitän erneut einen zu hohen Preis zahlen könnte, um den Tourismus-Riesen in ruhigeres Fahrwasser zu bringen. So nachvollziehbar der Akquisitionswunsch der ertragsstarken Hapag-Lloyd ist: In einem stark zyklischen Geschäft wie dem der Reedereien jetzt noch – mitten im Boom – auf der Käuferseite zu stehen, erinnert sehr an frühere Fehleinschätzungen der Tui.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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