TV-Debatte der Demokraten
Obama steckt Clintons Schläge weg

Erschöpft wie ein Boxer in der neunten Runde wirkte Barack Obama bei der Debatte der Demokraten in Philadelphia. Hart und auf den Punkt haut ihm Hillary Clinton die Fehltritte der letzten Wochen um die Ohren. Genau das aber könnte nach hinten los gehen. Eine Analyse.

Erschöpft wie ein Boxer in der neunten Runde wirkte Barack Obama bei der Debatte der Demokraten in Philadelphia. Hart und auf den Punkt haut ihm Hillary Clinton die Fehltritte der letzten Wochen um die Ohren: Der Afroamerikaner lasse sich nicht nur von einem radikalen schwarzen Pastor beeinflussen, er verachte auch die krisengeplagten Amerikaner auf dem platten Land. Die Moderatoren von ABC setzen nach und graben selbst eine flüchtige Bekanntschaft Obamas mit einem längst rehablitierten amerikansichen Terroristen aus den 70er aus.

Und Obama steckt die Schläge ein. Einen nach dem anderen. Er wahrt die Contenance, spricht auch Clintons Wahlkampf-Übertreibungen an, boxt aber nicht zurück. Er wirkt defensiv, über weite Strecken muss er nach Worten suchen. Dennoch könnte er aus dieser Debatte als technischer Sieger hervorgehen. Das wird sich am nächsten Dienstag bei der nächsten Vorwahl in Pennsylvania zeigen, spätestens aber bei der noch wichtigeren am 6. Mai in Indiana.

Hillary Clinton hat die Rolle des Herausforderers angenommen. Sie liegt bei den Delegierten und auch nach den Wählerstimmen zurück und muss bei den wenigen noch ausstehende Vorwahlen punkten, um die wichtigen Superdelegierten, die in ihrer Stimme freien Parteivertreter, auf ihre Seite zu ziehen. Der Angriff ist ihre einzige Verteidigung – und daher kritisiert sie Obama ebenso so hart wie es später die Republikaner tun würden.

Genau das aber könnte nach hinten los gehen. Clinton verfällt immer mehr in die Rolle der biestigen Vertreterin der alten, parteigebundenen Washingtoner Politik. Obama kann sich dagegen als überparteilicher Versöhner präsentieren, die Amerikas Politik revolutioniert. Nach dieser Debatte kann er auf jeden Fall auf eine extrem hohe Mobilisierung seiner eigenen Anhänger in Pennsylvania setzen, vielleicht sogar auf einen Mitleidseffekt bei den noch Unentschiedenen.

In den Umfragen auf jeden Fall legt Obama zu, auch wenn die öffentliche Debatte eher kritisch mit ihm umgeht. US-weit hat er seinen Vorsprung vor Clinton auf fast zehn Prozentpunkte ausgebaut, in Pennsylvannia ist Clintons alte Vormachtstellung zusammengeschrumpft und in Indiana, dem einzigen wirklich offenen Rennen, scheint er inzwischen zu führen.

Das zeigt auch bei den Superdelegierten Wirkung. Es ist noch keine Massenbewegung, aber einer nach dem anderen spricht sich für Obama aus. Gestern stellte sich sogar Bruce Springsteen hinter den Senator aus Illinois: Der rage weit aus dem Kandidatenfeld heraus und habe als einziger das Potenzial, Amerika wieder zu versöhnen. Springsteen ist zwar kein Superdelegierte, aber spätestens seit seinem Album "Born in the USA" gilt der Rockstar auch als kraftvolle Stimme der bodenständigen Amerikaner.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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