TV-Duell
Dreikampf mit Samthandschuhen

Es hätte ein Lichtblick im Wahlkampf werden können: Grüne, FDP und Linkspartei im TV-Dreikampf. Doch die Erwartungen wurden erneut enttäuscht. Selbst das Rhetorik-Talent Joschka Fischer wirkte ungewohnt blass. Dafür durfte der Wähler erfahren, wie es um sein Verhältnis zu Oskar Lafontaine steht.

BERLIN. Mit harten Bandagen sollten sich die Spitzenkandidaten der "Kleinen" bearbeiten. Moderatorin Maybrit Illner versprach vor dem ZDF-Streitgespräch eine "absolut spannende Dreier-Kombination". Doch die Endlosschleife von Wahlkampffloskeln und-phrasen erreichte auch diese Sendung.

Joschka Fischer, Guido Westerwelle und Oskar Lafontaine blieben an diesem Abend weit unter ihren Möglichkeiten, gaben sich zahm und fast übertrieben höflich. Auch Illner fehlte es an Struktur. Zu oft unterbrach sie in "Sabine-Christiansen-Manier" Ansätze einer bissigeren Debatte. Inhaltlich wurde munter von Steuerpolitik zu Windenergiegeneratoren, Kindermangel und deutscher Filmförderung hin- und hergewechselt.

Für den Zuschauer gab es dabei wenig Konkretes, sondern lediglich ein Abspulen altbekannter Wahlkampfslogans. Als Einstieg diente Westerwelle die Flutkatastrophe von New Orleans - eine Situation, in der ihm die "Menschen von Herzen Leid tun" und Rot-Grün nur "geschmacklose" Schadenfreude äußern könne. Von da schlug er den Bogen über Klimapolitik bis hin zur Ökosteuer. "Rot-Grün ist an der eigenen Politik gescheitert", schleuderte Westerwelle Fischer entgegen. Gegen die "leeren Versprechen" der Regierung setzte er die eigenen Reformvorhaben, die er mit den Sätzen verteidigte: "Vorfahrt für Arbeit" und die Lockerung des Kündigungsschutzes sei "nicht der Untergang des Abendlandes", ebenso wenig wie die betrieblichen Bündnisse.

Fischer wiederum hielt dem FDP-Chef vor, er wolle gemeinsam mit der Union einen "Systembruch", der "eine tiefere Spaltung unserer Gesellschaft bringen wird". Trotz sichtlicher Müdigkeit gelang ihm noch ein Seitenhieb - wieder gegen den "Professor aus Heidelberg", Angela Merkels Finanzexperten Paul Kirchhof. Dessen "Giftliste" müsste endlich offen gelegt werden, forderte er und wiederholte den Spruch, das Land dürfe nicht in eine "neo-konservative Richtung gedrängt werden".

"Ich glaube, wir sind nicht zu verwechseln"

Nur ab und zu blitzte das rhetorische Talent des Außenministers auf, etwa als er sich über die Kopfpauschale der Union erregte. Fischer warnte vor der "Gesellschaft des kalten Herzens" und verlangte, die Konzerne bei der Schaffung von Jobs in die Verantwortung zu nehmen.

Linkspartei-Spitzenkandidat Oskar Lafontaine hatte die Lacher auf seiner Seite, als er von Illner versehentlich mit "Herr Westerwelle" angesprochen wurde. "Ich glaube, wir sind nicht zu verwechseln", sagte Westerwelle, worauf Lafontaine entgegnete "Zum Glück." Auch Lafontaine nahm sodann die Vorlage zur Wahlwerbung an: "Pendlerpauschale verbessern", "Mehrwertsteuer verhindern", "linear-progressiver Steuertarif als Element der Gerechtigkeit" - das Rezept der Linkspartei für mehr Arbeitsplätze.

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